Konzertabend in der Trier rückt den Komponisten Grandjean in den Fokus

Musik : Der Komponist Grandjean im Fokus

Klangfarben und mehr: Der Trierer Musik-Experte über einen besonderen Premieren-Abend am 8. September in der Tufa.

Nein, ein Unbekannter ist Wolfgang Grandjean in der Musikszene der Großregion ganz sicher nicht. Der Trierer mischt sich ein, er ist wegen seiner Expertise gefragt – ob es um Neue Musik geht oder um Klassik, ob um Wagner, Bach, Beethoven oder um den Trierer Komponisten Georg Schmitt (1821 – 1900), der vor allem dank Grandjeans detaillierter Recherche-Arbeit aus der (Fast-)Vergessenheit geholt wurde. Dieser Einstieg dürfte dem emeritierten Musiktheorie-Professor und einstigen Stockhausen-Schüler schon fast zu viel sein. Auch im Jahr seines 75. Geburtstags. „Ich brauche keine Laudatio auf meine Verdienste“, sagt der gebürtige Trierer, den es vor zehn Jahren wieder in seine Heimatstadt gezogen hat. Dass am Sonntag, 8. September, im kleinen Saal der Tufa eine Veranstaltung seinen Namen trägt, ist dann auch keiner Eitelkeit geschuldet, sondern eher ein überfälliger Schritt.  „Es wird ein Abend, der mich als Komponist vorstellt, das gab es in der Form noch nicht“, kündigt Grandjean an. Ein repräsentativer Querschnitt aus seinem kompositorischen Oeuvre, das sich über fünf Jahrzehnte streckt? So würde es Grandjean zwar nicht nennen. „Es werden vier von meinen insgesamt 44 Kompositionen gespielt. Es sind Stücke, die sich machen lassen“, sagt Grandjean, dessen Werk von der Tonband-Komposition über den Liederzyklus nach Gedichten von Hölderlin oder Goethe bis zum Bläser-Quintett reicht. „Ich mag keine Spezialisierung“, kommentiert Grandjean, der auch als Konzertpianist aktiv war. Die Umsetzung seiner Werke überlässt er in Trier aber anderen. „Das wird ein Konzert mit renommierten internationalen Künstlern.“ Eingeladen haben Grandjean und der Veranstalter, die Gesellschaft für Aktuelle Klangkunst, das E-Mex-Ensemble aus Köln und dem Ruhrgebiet, das seinen Fokus auf Uraufführungen im Bereich der Neuen Musik legt. Zudem gastiert Pianist Thomas Günther in Trier, den Grandjean noch von der Folkwang-Hochschule in Essen kennt. Günther ist dort Professor für Klavier, Grandjean lehrte dort bis 2009.  Für die „Liebeslieder (nach Gedichten von Ulla Hahn) für Sopran und Klavier“, die Grandjean sehr am Herzen liegen, gewann er zudem die renommierte Sängerin Julia Henning. „Ulla Hahn hat mich als Dichterin interessiert. Beim Lesen dachte ich: Dazu könnte man Musik machen. Das ist eine Liebesgeschichte mit Zärtlichkeit und Aggression, das spiegelt die Musik mit unterschiedlichen stilistischen Mitteln wider.“ Aufgeführt werde zudem eine Hommage an Stravinsky (Sol brisé, für Violine und Klavier),  die Klangfarben-Komposition KlängeFarben – WegeBewegung für Flöte, Violoncello und Klavier sowie „Mein Wohltemperiertes“ (dem „Phantom“ Otto Jägermeier zugeschrieben). Grandjean wird am Sonntag selbst in die Stücke einführen.

Musik von Wolfgang Grandjean zum 75. Geburtstag, mit Julia Henning (Sopran), E-MEX Neue Musik Ensemble, Thomas Günther (Klavier), Sonntag, 8. September, 17 Uhr, Tufa, kleiner Saal

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