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Konzertchor Trier und Staatsphilharmonie RLP spielen romantische Kompositionen.

Konzert : Von Unbeschreiblichem und ewig Weiblichem

Der Konzertchor Trier und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz beeindruckten in St. Maximin unter der Leitung von Jochen Schaaf mit romantischen Kompositionen.

„Wir sind aus solchem Stoff, aus dem die Träume sind.“ Wer hätte je den Anteil des Traums an der menschlichen Lebenswirklichkeit poetischer in Worte gefasst als William Shakespeare. Um Phantastisches, das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren, wie um den Wunsch, die eigenen menschlichen Grenzen zu überschreiten, ging es auch  an diesem schon herbstlichen Sonntagnachmittag beim Konzert in St.Maximin. Als Ersatz für das umstrittene Pfitzner-Projekt (der TV berichtete mehrfach im Frühjahr) hatte der Trierer Konzertchor dorthin zu einem Programm mit romantischen Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert Schumann und Franz Liszt eingeladen. Um es gleich zu sagen: Es war ein ebenso eindrucksvoller wie berührender Abend, der über die Musik in bester romantischer Tradition, die Frage nach dem Subjekt – sprich: dem Ich – stellte, und in der Natur die menschliche Seelenwelt spiegelte. Die karge Strenge des himmelwärts strebenden Raums der ehemaligen Abteikirche bot (trotz etwas schwieriger Akustik) genau den passenden Rahmen für den vielfarbigen musikalischen Umgang mit Transzendenz. Traumhaft ging es sogleich in die von Elfen und Kobolden belebte Sommernacht mit Mendelssohns Ouvertüre und Bühnenmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“. Unter der dynamischen, einfühlsamen Leitung von Jochen Schaaf machte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Konzertchor Trier in der sinfonischen Ouvertüre und der Bühnenmusik die vielen Stimmungen des Traumstücks hörbar. Die Vielfalt der Charaktere, das Fantastische wie Bedrohliche des Spuks, wurden in ihrer Vielfarbigkeit ebenso erfahrbar wie die wunderbare Entrücktheit des Traums. Einmal mehr wurde in Spiel und Gesang deutlich, wie feinsinnig Mendelssohn Shakespeares Bühnenwerk bis in sein tiefstes Wesen durchdrungen hat, wie seelenverwandt hier Musik und Dichtung zusammengehen. Besonders eindrucksvoll gelangen Chor und Orchester gerade die feinen Partien. Hauchzart von gleichsam immateriellen Klang war der Chorgesang, wunderbar die federleichten flirrenden Streicher. Etwas stark trugen  dagegen die Bläser auf. Auch der Hochzeitsmarsch geriet arg pompös. Mit Lisa Wittig (Sopran), die für die erkrankte Susanne Bernhard eingesprungen war, und Marion Eckstein (Alt) geisterten ausdrucksstark zwei ebenso kapriziöse wie betörende Elfen durch die Sommernacht. Leider geriet die Textverständlichkeit in der Mitte des Raums extrem schwierig. Einmal mehr wurde Dichtung zu Musik in Robert Schumanns „Nachtlied“ nach Friedrich Hebbel, in dem die Nacht zu einer wunderbar sich auf und ab bewegenden Welle aus Klang wurde. Zum Schluss der Mann, der sich mit dem Teufel verbindet, um die eigene irdische Begrenztheit zu überwinden: Mit Franz Liszts „Faust-Symphonie in drei Charakterbildern“ endete das Konzert.

Scharf konturiert und subtil durchleuchteten Schaaf und  das Orchester die drei musikalischen  Persönlichkeitsstudien, machten bis ins Feinste die Metamorphose der Themen durchhörbar. Suche nach Erkenntnis klang  im durchscheinend klaren Faust-Thema. Schlicht, sehnsüchtig und beseelt porträtierte die Musik die Gretchen-Gestalt. In allen Facetten funkelte teuflisch der in eine Fuge gefasste schillernde Charakter  Mephistos. Bis sich am Ende Tenor Andreas Post melodisch nach oben wand und gemeinsam mit den Männerstimmen sicher war: „Das ewig Weibliche zieht uns hinan“. Viel Applaus beim Publikum.