Konzertprojekt des Theater Trier - Klangreise ins Urmeer

Theaterprojekt : Wunderbare Klangreise ins Urmeer in Trier

Im „Tier von Trier“ sucht der Taucher Juri in der Uraufführung am Theater Trier nach seinem Klangschatz. Das Konzertprojekt unter der Leitung von Jochem Hochstenbach ist eigentlich viel zu schade für nur eine Aufführung.

Der Mann hatte vielleicht einen Stress! Und was für sagenhafte Tiere er auf der Suche nach seinem Schatz traf. Ganz schön gefährlich! Wie gut, dass es die Panzerritter und das Publikum gab, die Juri Mut machten und ihn lautstark unterstützten. Zum Glück wurde am Ende alles gut und kleine wie große Zuschauer konnten sich mit dem verzweifelten Taucher über die gelungene Schatzsuche entspannt auf Weihnachten freuen. Weshalb das Orchester zum Schluss auch übermütig ankündigte: „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.

Ein Haus voll begeisterter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener hielt „Das Tier von Trier“ am Sonntag hinreißend in Atem. Als Uraufführung hatte die Geschichte vom Taucher Juri im Theater Trier Premiere. Juri geht, weil er nicht singen kann, auf die Suche nach dem Klangschatz. Dabei gerät er ins Trierer Urmeer und trifft auf lauter urzeitliche Tiere und ihren Klang. Bis er am Ende den Schatz dort findet, wo er ihn am wenigsten vermutet hatte: bei seinen Mitmenschen und in seiner gegenwärtigen Wirklichkeit.Orchester müssen sich wie Theater um ihr Publikum von morgen kümmern. Zu den Klangkörpern, die das seit Jahren vorbildlich tun, gehört das Tonhalle Orchester Zürich. Der neue Trierer Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach kommt ebenfalls aus der Schweiz – aus Bern. Es ist anzunehmen, dass er so manchen Impuls für seine anspruchsvolle Kinder- und Jugendarbeit von dort mitgebracht hat. Mit dem Konzertprojekt „Das Tier von Trier“ hat er es jedenfalls ins Förderprogramm Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland geschafft, und wie sich am Sonntag zeigte, absolut verdient.

Für die Mitmach-Musik-Geschichte für Orchester, Singstimmen und einen Schauspieler, hat der Duisburger Komponist Hauke Berheide Text und Musik als Auftragswerk der Stadt Trier geschrieben (szenische Einrichtung Agnes Otto). Eigentlich ist es eine Parabel über den Klang, der am Ende so nahe liegt, wenn man nur genau hinhört und sich seinen Mitmenschen und seiner Umwelt zuwendet. Lange hat man nicht mehr etwas so Poetisches im Theater gesehen, wie bei dieser märchenhaften Aufführung, bei der die Augen sehen und hören und umgekehrt die Ohren hören wie sehen konnten.

Ganz im Sinn von John Cage machte Berheide im Alltäglichen den Klang hörbar und die Alltagswelt als vielfältigen und vielstimmigen Klangraum erfahrbar, wie etwa mit den selbstgebastelten Flöten und Blechfässern. Seine Akteure wie seine Zuhörer nahm er dabei mit zu neuen Klangzusammenhängen und Hörerfahrungen, ohne sich ganz von der Tradition zu lösen. Unüberhörbar stand Sergej Prokofieffs Musik-Märchen „Peter und der Wolf“ im Raum und der wunderschöne Sirenenchor (Jugendchor des Theaters, Einstudierung Martin Folz) erreichte Orff`sche Klarheit – eine der lyrischsten Momente der Inszenierung.

In Berheides lautmalericher Musik wurden die Tiere in ihrem Wesen lebendig, die Emotionen zum Klang. Viel war los im Trierer Urmeer, durch das Juri auf seiner Zeitreise im Video an der Bühnenwand und in Person auf der Bühne und im Saal herumirrte, ermutigt vom energischen Mutlied der Panzerritter und dem engagiertem Publikum (Video Christian Hill, erzählfabrik GbR ,Illustration Alexander Rubin Montoliú).

Ichthyosaurier kämpften gegen Ur-Piranhas. Riesenmeereskrokodile und Ur-Haie bedrohten schrecklich klappernd den Taucher. Die putzigen Röhrenwürmer zeterten wie in den besten Familien. Das mit Tang getarnte laut trommelnde „Monster vom Kockelsberg“ sprach zwar geschraubt Latein, hatte aber wenig Hirn. Als feuerroter Viel-Armonischer -Riesenkrake mit Armen aus lauter Orchestermusikern saß das Philharmonische Orchester der Stadt Trier in ebenso roten Overalls auf der Bühne und machte unter der Leitung von Jochem Hochstenbach mit sichtlicher Spielfreude das Geschehen farbenreich und einfühlsam zum Klangereignis.

Als Juri war Stephan Vanecek ein ebenso hilfloser wie rührender Tiefseetaucher im blau-weißen Ringelanzug. Zauberhaftes war Belén Montoliú mit ihrer einfallsreichen phantasievollen Ausstattung gelungen. Hochpoetisch verbanden sich dabei Bild und Musik zum großen symphonischen Klang. Die zu erproben, waren gleich eingangs im Foyer Klangstationen aus unterschiedlichen Instrumenten aufgebaut. Bleibt noch nachzutragen: Quasi Pult an Pult mit dem Orchester und ihren Orchesterpaten spielten und sangen gemeinsam mit dem Orchester und dem hauseigenen Jugendchor Schüler der Grundschule Ausonius, der Grundschule Keune, der Kurfürst-Balduin-Realschule plus (alle Trier), des Staatlichen Eifelgymnasiums Neuerburg und Instrumentalschüler aus der Region Trier.

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