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Kosmopolit mit Batschkapp

Kosmopolit mit Batschkapp

Gerd Dudenhöffers Alter Ego Heinz Becker ist die Speerspitze des Spießertums, die Keimzelle des reaktionären Widerstands. In seinem Programm "Kosmopolit" gibt sich Dudenhöffers Heinz in der Europahalle Trier als Mann von Welt. Der Trierische Volksfreund präsentierte ihn.

Trier. "Mein lieber Scholli!", schnaubt Heinz Becker, holt zu einer wegwerfenden Geste aus - "Her bloß uff!" Weil das Elektrokabel seiner Heckenschere zu kurz ist, wirft Heinz kurzerhand einen Blick über den Tellerrand seiner intellektuellen Parzelle - obwohl es da zieht. Dann muss der Mirabellenbaum eben warten. Der Mann von Welt aus der saarländischen Pampa setzt in der Trierer Europahalle zum Watschenverteilen an. Die Wirtschaftskrise verlagert er ins "Eckstübchen", die Seuchen der Dritten Welt sollen gefälligst bleiben, wo sie sind - in Malaria. Und was haben Terroristen mit den Bankenpleiten zu tun? "Bei uns bilden wir einen Bankkaufmann aus, in Palästina Attentäter. Fragt sich nur, wer den größeren Schaden anrichtet." Was vordergründig als stumpfe Keule anmutet, ist feinsinniges Kabarett, dabei stets Gratwanderung zwischen politischer Korrektheit und schmerzendem Tabubruch. Der Spießer mit der Batschkapp wetzt die feine Klinge, wenn er mit der Axt ausholt. Das Weltbild des Kleinbürgers ist ein fest zementiertes, das in seinen Grundfesten aus Ressentiments zwar wackeln mag, aber niemals einstürzt. Auch Wirtschaftskrise und Hilfspakete sind ihm einerlei: "Wenn jemand aus dem Flugzeug fällt, dann kannst du ihm noch so viele Fallschirme hinterherwerfen. Das hilft alles nix. Hinterher damit zudecken."

Er zieht in saarländischer Mundart durch die große und kleine Politik. Von Ausländerfeindlichkeit bis zu Neonazis: "Ich kannte mal einen, der nannte seinen Schäferhund Bdolf." Beim Thema Intimverkehr windet sich Becker. Künstliche Befruchtung findet er aber gut. "Da spart man sich den ganzen Zirkus. Das ist ja die Natur künstlich nachgemacht. Im Grunde fehlt da nur ein Glied in der ganzen Kette." Dudenhöffers Pointen scheinen wie grobe Brocken aus einem Mörser zu schießen. Das scheint aber nur so: Er zögert, legt eine Pause ein und findet dann einen eleganten Umweg, den Nadelstich tief ins Fleisch von Vorurteilen und Klischees zu stoßen. Sein Markenzeichen, das verächtlich abwinkende "Geh fott", das entfleucht Dudenhöffer an diesem Abend nicht. Das muss es auch nicht, denn seine Abrechnung mit der Gesellschaft braucht diese Schnoddrigkeit nicht.