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Denkmalpflege
Ein Festtag für die Denkmalpflege (Video)

Schauplatz des Denkmaltages: die Kaiserthermen in Trier.
Schauplatz des Denkmaltages: die Kaiserthermen in Trier. FOTO: Roland Morgen
Trier. Kostenlose Führungen, kontroverse Debatten und ein umfangreiches Kinderprogramm: Die Generaldirektion Kulturelles Erbe lädt für den 10. Juni in die Kaiserthermen in Trier ein. Von Katharina De Mos

ist ein El Dorado für Denkmalpfleger. Denn so viele bedeutende römische und mittelalterliche Bauten wie hier gilt es nur an wenigen Orten Deutschlands für die Zukunft zu bewahren. Und die Stadt hat das offenbar besonders gut gemacht. Im Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 wurde sie jedenfalls wegen ihres geschickten Umgangs mit historischen Ensembles zu einer von 50 europäischen Modellstädten erkoren.

Nun naht ein ähnlicher Höhepunkt im Kalender der heimischen Denkmalpfleger: der Europäische Tag für Denkmalpflege in Trier am Sonntag, 10. Juni, und eine daran anschließende Fachtagung mit 250 Experten. Für den 10. Juni lädt die Generaldirektion Kulturelles Erbe GDKE) Rheinland-Pfalz (alle interessierten Bürger und besonders Familien in die Kaiserthermen ein. Dort können sie an kostenlosen Themenführungen teilnehmen, sich über das heimische Kulturerbe informieren, malen oder an einer Stadtrallye teilnehmen.

Allerdings steht auch ein brisantes Thema auf der Tagesordnung, das angesichts der heftigen Bautätigkeit im Umfeld der Thermen schon an zahlreichen Trierer Tischen diskutiert worden sein dürfte: Vertreter der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, der GDKE, Bauherren und Planer diskutieren ab 15 Uhr auf der Bühne die Frage „Was verträgt das Umfeld eines Weltkulturerbes?“ Im Vorfeld wird es einen Rundgang geben, der die Bebauung rund um die Kaiserthermen thematisiert. Anschließend sollen die jüngst entstandenen Bauten bewertet und geklärt werden, ob sie sich mit dem Weltkulturerbe vertragen.

Der Landesbetrieb LBB Rheinland-Pfalz bietet zwischen 13 und 17 Uhr zudem regelmäßig Baustellenführungen zu den aktuellen Bauvorhaben auf dem Gelände der Kaiserthermen an. Auch ein spezielles Angebot für Kinder ist geplant, dazu gehört eine Denkmalrallye mit Fragen und Rätseln zu historischen Bauwerken der Stadt. Den Siegern überreicht Kulturminister Konrad Wolf auf der Bühne ihre Preise. Für Familien mit jüngeren Kindern wird ein Ausmal-Wettbewerb angeboten. Als Motiv dienen die Kaiserthermen.

Zudem gibt es 20 Infostände – etwa von den Direktionen der GDKE, vom Verein Schlösser und Gärten in Deutschland, der Hochschule Trier – aber auch ein internationales Projekt von Steinmetzschülern aus Kirchheimbolanden und Lemberg (Ukraine). Sie präsentieren eine Bauhütte, ausgestattet mit Materialien und Werkzeugen, in der jeder den Steinmetzen bei der Arbeit zuschauen kann. Wer Lust hat, darf auch mitwirken.

Zwei Gesprächsrunden auf der Bühne befassen sich mit den Themen „Denkmalnetzwerke“ und „Jugend und Denkmalpflege“, musikalisch begleitet wird das Programm vom Chor der Blandine-Merten-Realschule Trier. Salutschüsse der Stadtgarde Neuerburg eröffnen und beschließen den Europäischen Tag für Denkmalpflege auf dem Gelände der Kaiserthermen in Trier. Das Programm beginnt um 13 Uhr und endet um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Experten werden bei ihrer Fachtagung auch ins Jahr 1975 zurückblicken und sich fragen, „wo stehen wir heute, was sind unsere Herausforderungen und wie gehen wir damit um? Und da bietet sich Trier aufgrund seiner Geschichte und seiner Entwicklung wunderbar an“, sagt Roswitha Kaiser, Landeskonservatorin der GDKE.

Besonders gewürdigt wurde damals, dass Trier die im Zweiten Weltkrieg komplett zerstörte Steipe am Hauptmarkt 1968 originalgetreu wiederaufbaute, dass sie das mehrfach umgebaute Dreikönigshaus 1938 und 1973 wieder in seinen mittelalterlichen Zustand versetzte und dass sie Ensembles wie jenes in der Trierer Krahnenstraße erhielt, wo laut GDKE satte zehn Kulturdenkmäler stehen. Alle kein Weltkulturerbe wie die vielen berühmten Römerbauten. Und dennoch alle wert, für künftige Generationen erhalten und sorgsam gepflegt zu werden.

In einer kleinen Serie widmen wir uns in den kommenden Tagen dem ebenso spannenden wie spannungsreichen Thema Denkmalpflege in Trier.