Kraft, Farbe, Sinnlichkeit

Trier · Im Alter von 79 Jahren ist der Trie-rer Künstler KD Kallenbach gestorben. Mit dem Gestalter der Tufa-Fassade verliert die Region eine ihrer eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten

 KD Kallenbach zeigt in der Tufa in Trier bis zum 29. August eine Auswahl seiner Arbeiten. TV-Foto: Anke Emmerling

KD Kallenbach zeigt in der Tufa in Trier bis zum 29. August eine Auswahl seiner Arbeiten. TV-Foto: Anke Emmerling

Foto: Anke Emmerling

Trier. Seine Weihnachtsgrüße kamen stets pünktlich zum Fest. Meistens beschränkten sie sich auf gute Wünsche, streng Schwarz-Weiß gefasst in seiner klaren markanten Schrift, die sogleich den gelernten Grafiker verriet.
Bisweilen enthielten die kantigen Schriftzüge allerdings noch mehr. Drei knappe Worte reichten KD Kallenbach, um den Festsegen mit einer Aufforderung zum Ungehorsam zu verbinden. Soll heißen mit der Mahnung, nur nicht nachzulassen, in der unabhängigen Betrachtung der Kunst. Kritisch und mutig wünschte er sich Kunst wie Kunstkritik, sich jeder Indienstnahme verweigernd.
Unabhängig, kritisch, direkt, bisweilen harsch im Urteil war der 1935 als Klaus-Dieter Kallenbach in Trier geborene Künstler schließlich selbst. Gedankliche Blässe kränkelte ihn nicht an, verbale Umwege lagen ihm nicht. Womöglich auch ein Grund, weshalb der Mann mit den wachen Augen hinter der runden Brille und dem Zopf, der sich wie alle Zöpfe eines Tags erledigt hatte, den weit ausholenden Vornamen im prägnanten Kürzel KD zusammenfasste. Richtig in Rage kommen konnte KD, wo er in der Kunst den Ramschladen entdeckte, als der sie zuweilen daherkommt, oder wo er schnöden Kommerz als Schaffensprinzip vermutete.
Nicht, dass KD Kallenbach nicht gewusst hätte, dass auch die Kunst nach dem Brot gehen muss. Zahlreiche Trierer Fassaden und Räume hat der Absolvent der Trierer Werkkunstschule als Auftragsarbeit gestaltet, stets engagiert und mit feinem Gespür für die Eigenart der Architektur, ihre Geschichte und Funktion. Da war es klar, dass ein Kindergartenraum ein anderes Farb-und Formenkonzept erforderte als die historische Industriefassade der einstigen Trierer Tuchfabrik.
Populär als Kunstrebell


Gemein haben alle seine Gemälde, Grafiken und Kunst am Bau Projekte die Kraft, den Farben- und Ideenreichtum, die gekonnte Synthese aus Linie und Farbsinnlichkeit. Die wandfüllende Installation an der Tufa- Fassade bleibt Kallenbachs prominentestes Projekt. Seine gelungene Restaurierung 2013 und die große Bilderschau im Haus zu seinem 75. Geburtstag mögen ihm nicht nur eine späte Freude gewesen sein, sondern auch eine überfällige Entschädigung für die Zerstörung seines Werks im Zuge der Sanierung der Trierer Stadtwerke. "Die Leute haben keinen Respekt vor der Kunst", empörte sich damals der Künstler.
Nicht zum ersten Mal. Als "Kunstrebell" kennt ihn die lokale Geschichte, seit er in den Nachwehen der verspäteten Trierer 68er Bewegung, seinen Marsch durch die örtlichen Institutionen angetreten hatte. Um die Kunst von der "Tyrannei der Gesellschaft für Bildende Kunst" zu befreien, setzte er der unangefochtenen Institution ihrer jurierten Jahresausstellung, aufständisch eine Schau der "Juryfreien" entgegen.
Seine Heimatstadt Trier hat der Künstler übrigens nie wirklich verlassen. Dort und vor allem im Geviert seines Ateliers schritt er, frei nach Goethes Faust, den ganzen Kreis seiner Erlebnis- und Ideenwelt aus.
Jetzt ist KD Kallenbach im Alter von 79 Jahren gestorben. Wie er seine Kunst sah und ihr Überleben, hat er schon vor mehr als 20 Jahren formuliert: "Der Maler kann sich, wenn er Glück hat, visuell ausdrücken. Er kann neue Zustände der Weltsicht erfinden. Er kann sie malend interpretieren. Er darf sich jedoch nicht über die Zeit hinaus erheben wollen. Denn die Zeit ist als Kritikerin unbestechlich." KD Kallenbachs Werk wird der Zeit trotzen - und er uns fehlen.

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