Kraftvoller Blick auf Macht und Liebe

Kraftvoller Blick auf Macht und Liebe

Moderne Ballettmontage: Christian Spuck bringt in "Poppea/Poppea" Musik, Tanz und Requisiten aus verschiedenen Epochen zusammen, die das Tanzensemble Gauthier Dance im Grand Théâtre in Luxemburg brillieren lassen.

Luxemburg. Macht, Versuchung und Liebe: Aus dieser Konstellation erspinnt sich im Tanzstück "Poppea/Poppea" ein blutiges Drama, das auf Monteverdis letzter Oper "Die Krönung der Poppea" basiert und in Luxemburg aufgeführt wurde.
Die Geschichte ist scheinbar einfach. "Das ist Poppea. Sie ist die Geliebte von Ottone. Sie ist heimlich mit Kaiser Nero zusammen", fasst eine Erzählerin den Inhalt zu Beginn zusammen. Kaiser Nero will seine Frau Octavia für Poppea verlassen. Deshalb versuchen Ottone, Octavia, Ottones ehemalige Geliebte Drusilla und der Philosoph Seneca, Poppea zu ermorden.
Doch Choreograph Christian Spuck legt die Handlung wie ein Verwirrspiel an. Immer wieder lässt er die Erzählerin auftauchen, die ihre Einführung erneut beginnt und zwischendurch selbst Teil der Tänzer wird.
Die zentralen Motive Liebe, Verrat, Mord machen die neun Tänzer der Stuttgarter Gauthier Dance Company aber auch ohne streng stringente Handlung deutlich. Denn zwischen die intensiven Tanzszenen mischen sich schauspielerische Einlagen. Etwa wenn Garazi Perez Oloriz als verletzliche und zugleich machtbesessene Poppea den goldenen Kranz Neros (Eric Gauthier) begierig umkreist. Oder Ottone (Armando Braswell) versucht, Poppea in Drusillas Kleidern zu ermorden.
Gleich, aber zeitversetzt tanzen


Kraft und Temperament des Stücks entfalten sich dabei besonders, wenn alle neun Tänzer gemeinsam auf der spärlich beleuchteten Bühne stehen und wie bei einem Kanon die gleichen Bewegungen zeitversetzt tanzen. Aber auch die leiseren Soli und Duette überzeugen, vermitteln Leidenschaft und Liebe. Angewinkelte Arme, Beine und Füße ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch die rund 70-minütige Aufführung. Ungewöhnlich und faszinierend ist vor allem das Pas de deux von Octavia und Seneca, bei dem sich ihre Arme und Hände immer wieder suchen, finden und in neuen gleitenden Bewegungen münden. Ohne dass die beiden Tänzer dabei die Beine bewegen.
Christian Spuck verbindet in seiner Choreographie auf allen Ebenen traditionelle mit zeitgenössischen Elementen. Die Bühne wird erweitert durch düstere Videoaufnahmen, die simultan gefilmt werden und den Zuschauer ganz nah an die Gesichter der Tänzer lassen. Musikalisch vermischen sich Monteverdis klassische Stücke mit Popmusik und elektronischen Klangteppichen. Viel Bühnenbild braucht diese virtuose Inszenierung nicht: Drei Tische und ein paar Stühle reichen aus, um stetig neue Figuren und Formen zu erschaffen.
Ein fantastischer Abend, der eine moderne Ballettmontage mit verschiedenen Sichtweisen auf das Spiel um Macht, Liebe und Versuchung liefert. Das Publikum im voll besetzten Grand Théâtre in Luxemburg feiert die Produktion von Christian Spuck und Gauthier Dance mit minutenlangem Applaus.

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