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Krimicamp in der Eifel: Mörderische Fantasien zu acht

FOTO: Jens Büttner (g_kultur
Ringhuscheid. Ein spannendes literarisches Experiment findet derzeit in der Eifel statt: Acht Autoren schreiben in acht Tagen zusammen an einem Krimi mit dem Titel "Acht Leichen zum Dessert". Vor drei Jahren haben sie das schon einmal hingekriegt. In der Eifel finden sie Ruhe und Inspiration für ihr Werk, das sie am heutigen Freitag in Neuerburg vorstellen. Christina Bents

Ringhuscheid. "Der Fluch, der Fluch ist doch der Dreh- und Angelpunkt bei der ganzen Geschichte", sagt Ralf Kramp. Der Krimiautor kommt täglich mehrfach im großen Seminarraum des Hauses Pondrom in Ringhuscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) mit seinen sieben Kollegen zusammen, um die Handlung ihres gemeinsamen Krimis weiterzuentwickeln. Am vierten Tag ist schon richtig viel geschafft: 167 Seiten sind geschrieben, die Figuren klar umrissen. Dabei ist das gar nicht so einfach, denn jeder der Autoren bringt seinen eigenen Ermittler mit. Und alle arbeiten zusammen an dem einen Kriminalfall.Auch ein Sternekoch ermittelt


"Die Ermittler sind alle sehr unterschiedlich, aber in verschiedenen Situationen kommen sie zusammen, beispielsweise machen sie gemeinsam eine Verfolgungsjagd durch den Ort", erklärt Carsten Sebastian Henn, Krimiautor und Journalist. Unter ihnen ist eine Profi-Ermittlerin, eine Physiotherapeutin, ein Sternekoch, eine Profilerin, ein Ex-Kommissar, ein Privatdetektiv, ein Gymnasiallehrer und ein neurotischer Privatermittler. Wichtig war allen Autoren, dass sie ohne genaue Vorstellung in die Eifel gekommen sind und erst hier die Geschichte entwickelt haben.
In Ringhuscheid haben die Akteure eine interessante Arbeitsatmosphäre gefunden. Zum einen haben sie hier wenig Ablenkung, zum anderen haben sie Inspiration - mit direktem Blick auf den Friedhof, eine Bushaltestelle, an der sie mit Menschen ins Gespräch kommen, und ein altes Haus, in dem so manches Geräusch nicht eindeutig zuzuordnen ist. Fließt der Eifelort ein in die Story? "Auf einem Fest im Ort haben wir verschiedene Menschen gesehen, die Ähnlichkeiten mit den Figuren unseres Buches haben", verrät Autorin Kathrin Heinrichs, "das hat uns weitergebracht. Der Friedhof und die unberührte Landschaft geben weiteren Ideen Nahrung".
Praktisch geht es so voran, dass die Geschichte gemeinsam festgelegt wird, sich jeder dann in eine Ecke des Hauses oder des Gartens zurückzieht und ein Kapitel schreibt. Die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln finden wie "Staffelstabübergaben" statt, beispielsweise an der Krüppeleiche, an der einiges passiere, wie Henn sagt.Jeder profitiert vom anderen


Das Ergebnis lesen sie sich am Abend vor. "Das ist sehr intensiv, und wir sind ständig am Schreiben. Zudem profitieren wir sehr voneinander", sagt Sabine Trink-aus. "Jeder geht ja anders an einen Text heran, die einen schreiben sehr realistisch, die anderen eröffnen dem Leser eine eigene Welt", ergänzt Sandra Lüpkes. Zu ernst geht es aber auch nicht zu. "Bei der Ideensammlung geht es oft wild durcheinander, und manchmal sind einige Diskussionen nötig, bis wir wissen, wie es weitergeht", sagt Peter Godazgar.
Sehr viel Zeit zu diskutieren haben sie nicht mehr, denn heute ist bereits der vorletzte Tag des Projekts. Am Wochenende soll das Buch fertiggeschrieben sein. Im Oktober soll es dann auf den Markt kommen.
Die Autoren lesen am heutigen Freitag erstmals öffentlich vorab aus ihremn Manuskript: ab 19.30 Uhr, Eifelgymnasium Neuerburg.Extra

Die Autoren, die im Krimicamp gemeinsam das Buch "Acht Leichen zum Dessert" schreiben, sind Peter Godazgar, Kathrin Heinrichs, Carsten S. Henn, Jürgen Kehrer, Ralf Kramp, Tatjana Kruse, Sandra Lüpkes und Sabine Trinkaus. Die Geschichte: Es geht um einen großer Puddingkonzern, der in der Eifel seinen Ursprung hat. Der "Tante Tines" Pudding zeichnet sich dadurch aus, dass er auch ohne zu kochen gelingt. Drei Erben lauern bereits auf ihre Chance, an das Geld zu kommen. Aus unterschiedlichen Ecken nähern sich die Ermittler dem Fall, in dem es acht Leichen gibt. Wie viele Morde es sind, lassen die Autoren noch offen. Ort des Geschehens ist das erfundene Dorf Düsterscheid. Eine 300-jährige Krüppeleiche spielt im Krimi eine wichtige Rolle. Zudem lastet ein Fluch auf einem Haus. Das Buch wird 320 Seiten umfassen und im Oktober erscheinen. chb