Film: Kritik: Serie „Dark“ – Folge 3: "Gestern und Heute"

Film : Kritik: Serie „Dark“ – Folge 3: "Gestern und Heute"

33 Schafe verenden. Claudia Tiedemann übernimmt als erste Frau die Leitung des KKW Winden. Und über allem liegt der Hauch von Tschernobyl. Wir haben uns für Euch die 3. Folge angeschaut.

Die dritte Folge der Mystery-Serie „Dark“ führt ins Jahr 1986. Sie ist die erste der Serie, die zum größten Teil in dem genannten Jahr spielt und schließt unmittelbar an die Ereignisse der vergangenen Episode an. Mikkel betritt sein späteres Elternhaus, nachdem er kurz mit seinem Vater Ulrich gesprochen hat. Die Begegnung verläuft eher kühl. Ulrich ist 1986 Teenager und ahnt selbstverständlich noch nichts von den zukünftigen Ereignissen. Daher wirkt es wenig glaubhaft, wenn er, in Mikkels Gegenwart, die Haustür einen Spalt breit offen stehen lässt, bevor er mit seiner Freundin davonfährt. Auch sie, Katharina, Mikkels Mutter, steht diesem eher abweisend gegenüber. Als er sie wenig später in seiner Verwirrung fragt, „Ist das denn hier nicht Winden?“, meint sie, lapidar: „Bist Du nicht `n bisschen zu jung für Acid?“

Im Haus begegnet Mikkel seiner späteren Großmutter Jana. Sie hat Verschwinden ihres Sohnes Mads nicht überwunden. Anne Lebinskys meisterhaftes Spiel in dieser Szene lässt keinen Zweifel daran aufkommen. Ohne zu übertreiben, lässt sie die schiere Verzweiflung ihrer Situation erahnen, die wohl nur eine Mutter nachvollziehen kann.

Gleich nach dem Anfangstitel erwartet eine Neuerung das Publikum: Die ersten beiden Szenen der Episode werden a cappella begleitet. Das findet sich in Serien selten, trägt jedoch zur Atmosphäre ideal bei. Wie die ganze bisherige Folge auf Mikkel unwirklich wirken muss, so lässt die Musik auch das Publikum ahnen, dass etwas Merkwürdiges vor sich geht. Dabei sind die Handlungen dieser beiden Szenen per se nicht weiter spektakulär. Eine Krankenschwester bittet ihre Kollegin, eine Schicht zu übernehmen. Schnitt: Charlotte Doppler (Stephanie Amarell) fährt auf einem Fahrrad durch den Wald. Sie hält an, als sie einen toten Vogel findet. Passend dazu setzt der Bass in dem Moment ein, in welchem sie das Tier aufhebt. Derartiges scheint Charlotte vertraut zu sein, berührt sie den Vogel doch ohne Zögern.

Das Publikum erkennt die Verbindung zum Jahr 2019, in welchem die erwachsene Charlotte Doppler dasselbe beim Verlassen des Polizeipräsidiums erlebt. Sie ist nicht die Einzige, der es so geht, wie sich gegen Ende der Episode herausstellt. Wie sie, werden andere an der Handlung Beteiligte ihren zukünftigen Ichs gegenübergestellt – leider jedoch jeweils in Form eines geteilten Bildschirms. Diese Technik wird heute kaum mehr von Filmemachern eingesetzt, wirkt sie doch wie Flickschusterei und ein schlichter Notbehelf in dieser ansonsten mutigsten und innovativsten deutschen TV-Produktion seit Jahren. Schon George Lucas mochte den Bildschirm in „Die Rache der Sith“ nicht mehr teilen, als er die Geburt der Geschwister Luke und Leia dem Anlegen der Rüstung Darth Vaders gegenüberstellte. Parallele Schnitte, wie im genannten Beispiel, wären also auch hier möglich gewesen.

Im Kraftwerk scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Jedenfalls stellt Claudia Tiedemann ihren Vorgänger im Chefsessel wegen ungewöhnlicher Strahlenmesswerte zur Rede. Bernd Doppler beschreibt ihr nur widerwillig den Weg zur Höhle nahe des Kraftwerks. Diese ist randvoll mit radioaktivem Abfall. Es deutet sich an, dass dieser im weiteren Verlauf der Serie wohl noch eine Rolle spielen wird.

Gleiches gilt für H.G. Tannhaus, Autor des fiktiven Buches „Eine Reise durch die Zeit“. Gegen Ende der Episode arbeitet er an einer Maschine, die wie ein überdimensioniertes Uhrwerk erscheint. Ob dies eine Vorwegnahme weiterer Zeitsprünge darstellt? Wer dies wissen möchte, schaue sich die folgenden Episoden an.

Die bisherigen Episoden:

Kritik: Serie „Dark“ – Die erste deutsche Netflix-Produktion

Kritik: Serie „Dark“ – Folge 2: „Lügen“

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