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Kult-Grusical räumt in Trier ab

Kult-Grusical räumt in Trier ab

Am Samstag startet mit der "Rocky Horror Show" die größte Produktion des Jahres im Trierer Theater. Das Macher-Team um Regisseur Holger Hauer, Hauptdarsteller Michael Ophelders und den musikalischen Leiter Joachim Mayer-Ullmann arbeitet auf Hochtouren am Feinschliff für das legendäre Rock-Musical.

Trier. Michael Ophelders kann sich noch an seinen ersten "Frank'n'Furter" erinnern. Es war bei der Deutschland-Premiere in Essen im Jahr 1980, und der frischgebackene Abiturient saß mit seiner Klasse, kultmäßig verkleidet als außerirdischer Transvestit, in der letzten Reihe und machte Stimmung.

Er blieb der Rolle auch später als Schauspieler treu - und sie ihm. 30 Jahre später spielt er sie schon zum dritten Mal - "als ältester Frank'n'Furter Deutschlands", wie er augenzwinkernd anmerkt. Wie überhaupt die neue Trierer Produktion die Geschichte der braven Bürgerkinder Brad und Janet, die nach anfänglichem Zögern Spaß an den schrägen Sex-Maniacs um den Frankenstein-Verschnitt finden, mit reichlich Augenzwinkern erzählt.

Nein, "Rocky Horror" brauche man bestimmt nicht neu zu erfinden, sagt Regisseur Holger Hauer, der sich vor ein paar Jahren in Trier mit "Paradise of pain" als Spezialist für Gruselparodien profiliert hat. Auch er verfügt über reichlich Rocky-Horror-Erfahrung, war er doch bei den letzten Aufführungsserien in den 90er Jahren einer der gefragtesten Frank'n'Furter-Darsteller. Auch in Trier spielte er in einer Reihe von Vorstellungen der Kindermann-Erfolgsproduktion.

Als Regisseur ist es seine Rocky-Premiere, aber experimentieren will er nicht. "Wir verraten das alte Ding nicht", sagt er mit Blick auf das Stück. Das sei immer noch "eine gut gebaute Geschichte". Nur beim Ambiente erlaubt man sich ein paar Abweichungen vom Originalschauplatz: Statt des Spukschlosses treiben Frank'n'Furters Kreaturen ihr Unwesen in einer alten Kirmes-Geisterbahn. Auch die Kostüme von Ausstatterin Sandra Fox wollen Klischees vermeiden: "Allein mit Männern in Strapsen lockt man heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor", vermutet Ophelders.

Von Verdis Aida zum Rock-Musical



Fürs Hervorlocken des Publikums ist auch Joachim Mayer-Ullmann zuständig, der aus Musikern der städtischen Philharmoniker und profilierten Gästen wie Gitarrist "Junior" Haupers eine Rockband geformt hat.

Mayer-Ullmann ist in vielen Sätteln gerecht, hat jede Menge Musical-Erfahrung, kommt aber von der Klassik. Im Sommer hat er Verdis "Aida" auf einer stillgelegten Kohlenhalde im Rahmen der "Kulturhauptstadt 2010" dirigiert. "Das ist schon ein ziemlicher Kontrast", sagt der studierte Konzertpianist, der nach eigenem Bekunden "musikalisches Schubladendenken hasst". Logisch, dass ihm gerade die rockigen Klänge gefallen. Zumal er registriert, dass "bei den Proben immer alle mitwippen, da kann niemand die Füße still halten".

So scheint es auch dem Trierer Publikum zu gehen - sogar schon vor der Premiere. Die meisten Vorstellungen bis Ende Januar sind schon ausverkauft. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: "Rocky" läuft bis Ende Mai.