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Kultur als Wirtschaftsfaktor: Nero schenkt Trier 19 Millionen Euro

Trier. Nero galt als dekadent. Auch diejenigen, die sich für den römischen Tyrannen begeistern, geben offenbar gerne Geld aus. 155 Euro ließ der durchschnittliche Übernachtungsgast täglich in Trier, um die Nero-Schau sehen zu können. Katharina de Mos

Trier. Nero lässt sich von all den guten Nachrichten nicht erheitern. Missmutig blickt er unter fein frisierten Löckchen aus einem feisten, marmornen Gesicht, während Kulturdezernent Thomas Egger lächelnd den Kopf der Büste tätschelt, die im Konferenzraum des Landesmuseums aufgestellt wurde.
Der römische Kaiser hat sich nach einer überregional gefeierten Sonderausstellung bereits Mitte Oktober aus Trier verabschiedet. Auch für den Kulturdezernenten ist die Zeit des Abschieds nah. Infolge der Turbulenzen am Trierer Theater wird der Stadtrat ihn wohl am 12. Dezember abwählen. Es dürfte also einer seiner letzten Termine als Dezernent sein. Es ist ein erfreulicher. "Das ist ein super Projekt für die ganze Stadt gewesen", lobt Egger. In der Tat waren sich alle einig, dass die Nero-Ausstellung ein Erfolg war. Am Mittwoch wurde dieser Eindruck mit Zahlen untermauert.

Wirtschaftliche Effekte: 3,85 Millionen Euro hat die Ausstellung gekostet. Die Bilanz, in die die Befragung von 1000 Besuchern einfloss, zeigt, dass Neros 272 678 Gäste insgesamt 19 Millionen Euro in der Region ausgaben. Die reine Wertschöpfung nach Abzug aller Ausgaben, die Hoteliers, Gastronomen oder Einzelhändler hatten, liegt bei 9,2 Millionen Euro. Geld, das zu Gewinnen und Löhnen wurde.
Der Vergleich mit der Konstantin-Ausstellung 2007 zeigt, dass die Besucher pro Kopf diesmal deutlich mehr ausgaben. Übernachtungsgäste zahlten täglich 155 Euro - 2007 waren es nur 88. Der größte Posten ist mit 81 Euro die Übernachtung. Tagesgäste ließen zwischen 33 und 35 Euro in Trier, auch dies ist mehr als 2007 (24 Euro). "Nero war der Köder, um die Leute nach Trier zu locken", sagt Marcus Reuter, Leiter des Rheinischen Landesmuseums und Initiator der Ausstellung. Er habe keinen Besucher getroffen, den die Stadt nicht begeistert habe. "Den Imagegewinn kann man mit Bargeld gar nicht aufwiegen", sagt er.

Herkunft der Besucher: Übernachtungsgäste reisten vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Frankfurt, Baden-Württemberg und Bayern an, Tagesgäste aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Nur etwa 16 Prozent der Befragten kamen aus dem Ausland, mehr als ein Drittel aus Luxemburg, die übrigen aus den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Österreich. "Gruppen aus Frankreich konnten wir nicht so ansprechen", sagt Markus Groß-Morgen, Leiter des Museums am Dom. Bei Konstantin sei dies dank eines größeren Werbebudgets anders gewesen.

Alter und Einkommen: Das Durchschnittsalter der Nero-Fans liegt bei 54 Jahren. Die größte Gruppe war die der 61 bis 70-Jährigen. Stark vertreten waren Haushaltseinkommen zwischen 2000 und 4000 Euro netto. Fast jeder Zweite hatte einen Hochschulabschluss.

Anlass der Reise: Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums, betont, dass fast 70 Prozent der Gäste ausschließlich wegen Nero kamen. Nicht die Ausstellung, sondern Trier hätten sie nebenbei noch mitgenommen. Interesse an der Römerzeit war für die meisten der Anlass des Besuchs, knapp gefolgt vom Interesse an der Person des Kaisers.

Bewertung der Schau: Die Besucher haben der Ausstellung die Gesamtnote 1,6 gegeben. Mehr als zwei Drittel würden sie uneingeschränkt weiterempfehlen. Besonders positiv wurde die Qualität der 774 Exponate bewertet.

Presse: Sämtliche großen Zeitungen Deutschlands berichteten ausführlich über die Schau - und das war für die meisten Besucher ausschlaggebend, nach Trier zu reisen. 37 Prozent der Gäste wurden durch Artikel aufmerksam, 25 Prozent durch Plakate, 22 Prozent durch eine persönliche Empfehlung, aber nur 4,3 Prozent durchs Internet.

Bilanz der Museen: Zwar bleibt die Ausstellung für die drei Häuser wie erwartet ein Zuschussgeschäft. Doch haben sie ihre finanziellen Ziele erreicht. Das Landesmuseum nahm mehr als 1,3 Millionen Euro ein (Kosten: 2,3 Millionen), das Museum am Dom 200 000 Euro (Kosten: 550 000 Euro) und das Stadtmuseum 250 000 Euro (Kosten: eine Million).