Kultur-Erbe wird neu geordnet

Kultur-Erbe wird neu geordnet

MAINZ/TRIER. Die Orchester-Strukturreform ist gerade mehr oder weniger gut über die Bühne gegangen, jetzt steht die nächste Neuordnung im Land an: Thomas Metz, Chef der Koblenzer Landesmuseums und von „Burgen, Schlösser, Altertümer“ (BSA) soll nach Informationen der Rhein-Zeitung eine neue, übergeordnete Koordinationsstelle für das kulturelle Erbe des Landes leiten.

Die staatliche Kulturlandschaft von Rheinland-Pfalz steht vor einer umfangreichen Reform: Schon zum Beginn des kommenden Jahres soll eine "Generalkoordination Kulturerbe Rheinland-Pfalz" eingerichtet werden.
Unter ihrem Dach versammeln sich nach einem der Rhein-Zeitung vorliegenden Konzeptpapier des Kulturministeriums Rheinland-Pfalz die drei Landesmuseen in Trier, Koblenz und Mainz sowie das Landesamt für Denkmalpflege.

Abgabe von Zuständigkeiten in Trier und Koblenz

Auch ein Leiter für die neu zu schaffende Institution ist schon gefunden: Es soll Thomas Metz werden, der bisher mit der Leitung des Koblenzer Landesmuseums und der Abeilung "Burgen, Schlösser, Altertümer" (BSA) des Landesamts für Denkmalpflege betraut ist.

Für die zusammenzulegenden Institute ist der Plan des Kulturministeriums mit der teilweisen Abgabe von Zuständigkeiten und der Herabstufung der Museumsleitungen verbunden. Die bisherigen Direktorenstellen sollen zukünftig nur noch als Abteilungsleitungen besetzt werden, in Trier und Koblenz stünde dieser Schritt sofort an, in Mainz erst nach einem Ausscheiden der derzeitigen Museumsdirektorin Isabella Fehle spätestens zu ihrem Renteneintritt 2019.

Von der Zusammenführung der Institute und die damit verbundene Einsparung von vier Stellen des höheren Dienstes wird so nicht nur ein Synergieeffekt erwartet, sondern auch konkrete Einsparungen: Auf 29 000 Euro beziffert das Papier die Einsparung schon für 2007, sie soll bis 2010 auf 269 000 Euro anwachsen.

Die Hälfte der Einsparungen soll zur "Rückgewinnung von Gestaltungsspielraum für kulturelle Arbeit" verwendet werden können.

In einer zentralen Service-Einheit sollen die wissenschaftliche Koordination, die Projektkoordination, die technische Koordination, die Zentralverwaltung und das Marketing gebündelt werden.
Dafür ist auch eine gemeinsame Corporate Identity (Erscheinungsbild) vorgesehen, mit der die überregionale Wahrnehmbarkeit verbessert werden soll.

Schwelender Streit würde gelöscht werden

Als Herzstück der Reform nennt das Konzept die Planbarkeit von Arbeitsschwerpunkten sowohl im wissenschaftlichen als auch im veranstaltungsbezogenen Bereich: "Alle Informationen über geplante Arbeitsvorhaben laufen an einer Stelle, dem Generalkoordinator zusammen; dort werden die Ressourcen (Personal und Sachmittel) für die gemeinsam beschlossenen Vorhaben gesteuert und ein zentrales Marketing betrieben."
Die Konzeption dieser "Generalkoordination Kulturerbe Rheinland-Pfalz" würde auch den immer noch schwelenden Streit über die Neubesetzung der Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege beenden: Thomas Metz, war zum kommissarischen Leiter ernannt worden, was zu Protesten eines anderen Bewerbers auf das Amt geführt hatte.

Jetzt kann gemutmaßt werden, dass mit der Berufung eins Generalkoordinators die Leitungsstelle des Landesamtes überflüssig werden würde.
Wird auch der Kultursommer angegliedert?

Unentschieden ist das Konzeptpapier in Bezug auf einen eventuellen zweiten Schritt der Reform: Möglicherweise soll der Kultursommer Rheinland Pfalz an das neue Konstrukt angegliedert werden und hierbei im Bereich der Projektkoordination angesiedelt werden.

Obwohl die beteiligten Institute Verantwortung an den Generalkoordinator abgeben sollen, verbleiben "in ausschließlich eigener Zuständigkeit (...) Fachfragen der Sammlungen der Häuser sowie Projekte, die die Kernkompetenz der Häuser betreffen", heißt es in dem Papier.

Der Umsetzung dieses Konzeptes dürfte wenig entgegenstehen: Laut Vermerk ist das Vorhaben dem kulturpolitischen Sprecher der SPD, Manfred Geis, bereits vorgestellt und von ihm befürwortet worden.
Schon im März 2004 hatte Kulturminister Jürgen Zöllner Strukturreformen angekündigt, zudem gilt Thomas Metz als Wunschkandidat des neuen Kulturstaatssekretärs Joachim Hofmann-Göttig.

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