Kultur hilft heilen

Krankenhäuser sind dazu da, Menschen von ihrer körperlichen Not zu befreien. Darüber hinaus tun sie in der Regel mehr. Auf dem Weg zur Genesung setzen sie auf eine ganzheitliche Therapie und bedienen sich dabei der Kultur.

Region. Krankenhäuser haben heute Kulturbeauftragte und sie sehen die Kunst als "Seelennahrung", so wie Theo van der Poel, Musiktherapeut am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Wittlich. "Musik stärkt die gesunde Seite in uns", lautet sein Credo. Sie hilft, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes als Sorgen und Schmerzen zu richten und gibt dadurch Hoffnung, Mut und Lebenswillen. Anders als auf üblichen Konzertbühnen erscheine Musik im Krankenhaus in einem viel existenzielleren Licht.
Seit sechs Jahren organisiert die Kultur-AG des Wittlicher Krankenhauses Klinikkonzerte in den Monaten September bis April. Am 8. September wird die monatliche Reihe mit dem 47. Konzert fortgesetzt. Zum Angebot gehören neben Konzerten wechselnde Ausstellungen und ein Sommerkino.
Das Angebot wird gut angenommen, auch von Nichtpatienten. "Mehr als hundert Gäste kamen zu den letzten Klinikkonzerten", sagt van der Poel, Ideengeber, Initiator und Koordinator der Klinikkonzerte und der Kultur-AG am Krankenhaus. Damit erreicht die Klinik ihr Ziel, dass Kranke und Gesunde gemeinsam Kultur erleben und die Einrichtung sich als Ort des sozialen und kulturellen Lebens der Stadt positioniert.
Konzerte in Patientenzimmern


Die positive Wirkung, die Musik auf Kranke haben kann, bestätigt auch Professor Andreas Hufschmidt, Chefarzt der Neurologie Wittlich, beim Auftakt der Aktion "Musiker in Bereitschaft". Bei dieser Initiative geben Musiker der Region Minikonzerte in den Patientenzimmern. Er weiß von Schlaganfallpatienten, die singen können, obwohl sie nicht mehr in der Lage sind zu reden. Er spricht von Demenzkranken, mit denen übers Singen noch sinnvoll kommuniziert werden kann und von Parkinsonpatienten, die plötzlich wieder flüssig laufen können, wenn sie Musik hören.
Sofern die Kunst beruhigend oder humorvoll ist, sei ein positiver Effekt auf die Gesundheit erwiesen, sagt der Trierer Internist Professor Doktor Bernd Krönig, Spezialist für Hypertensiologie, auf Deutsch Bluthochdruck-Erkrankungen. Durch die sich einstellende Entspannung gehe der Puls zurück. Der Patient fühle sich durch die Ablenkung für kurze Zeit von seinem Leid befreit. Kunst und Kultur könnten so dazu beitragen, die innere Einstellung positiv zu beeinflussen. Es sei erwiesen, dass dadurch die Chancen steigen, die Krankheit zu überwinden. "Mit einer positiven inneren Einstellung kann man einiges kompensieren", so der Mediziner.

Kunst und Kultur haben in vielen Krankenhäusern der Region einen festen Platz. Zu den Vorreitern gehört das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier. Seit 1993 hat es sich der Verein "Kunst und Kultur" zur Aufgabe gemacht, durch die regelmäßige Organisation kultureller Veranstaltungen die Lebensqualität für Patienten, Mitarbeiter und Besucher zu steigern. Die Ausstellungen, Liederabende und Konzerte bringen Abwechslung, unterbrechen den Krankenhausalltag und kommen dem ganzheitlichen Anspruch nach, dass auch in einem Krankenhaus der Mensch nicht auf sein natürliches Bedürfnis nach Kultur verzichten muss.
Beitrag zur Genesung


"Wir sind davon überzeugt, dass Kunst und Kultur auf diesem Wege einen entscheidenden Beitrag zur Genesung bei den Patienten und zur Zufriedenheit bei Mitarbeitern und Besuchern leisten können", so Markus Leinweber, Hausoberer des Brüderkrankenhauses.
Auch im Trierer Mutterhaus ist man sich schon seit 25 Jahren bewusst, wie wichtig Kultur im Krankenhaus ist. Das Angebot ist vielfältig: Es finden regelmäßig Konzerte und Lesungen statt, unter anderem mit überregional bekannten Autoren wie Stefan Gemmel und Jan Seghers.
Das Elisabethkrankenhaus in Trier stellt seit Anfang der 90er Jahre jährlich Arbeiten der Fotografischen Gesellschaft Trier aus, außerdem zeigen regelmäßig Künstler der Region Gemälde und Grafiken. Am Trierer Marienkrankenhaus ist das Weihnachtskonzert der Musikgruppe "Da Capo" fest etabliert.
Im Hermeskeiler St.-Josef-Krankenhaus teilt man die Auffassung, dass Kultur wichtig ist, um daraus Lebensfreude zu schöpfen. Für Krankenhausoberin und Kulturbeauftragte Annette Münster-Weber gehört die Integration kultureller Angebote zum Selbstverständnis von Krankenhäusern im 21. Jahrhundert. Ausstellungen von regionalen Künstlern, Auftritte des hauseigenen Chors und ein Konzert haben im Hermeskeiler Krankenhaus schon stattgefunden, ab Herbst 2012 sind weitere Ausstellungen geplant. Die positiven Rückmeldungen bestärken die Oberin, weiter in den Bereich Kultur zu investieren.
Das Saarburger Kreiskrankenhaus St. Franziskus bietet bis zu drei Kunstausstellungen im Jahr und wie die meisten Kliniken Konzerte zur Adventszeit. Das sorge für Abwechslung, stelle den Kontakt zu Menschen von außerhalb her und steigere letztendlich das Wohlbefinden.
Auch im Krankenhaus Daun gehört die Kultur dazu. Neben fortlaufenden Ausstellungen gibt es schon seit 1945 Weihnachtskonzerte mit dem Musikverein Daun.
In der Bitburger Marienhausklinik liegt der Schwerpunkt in der Weihnachtszeit bei Musik von Vereinen und Chören aus der Umgebung. Die moderne Technik hilft dabei, die Musik auch zu jenen zu bringen, die das Bett hüten müssen. Sie sind dank der Liveübertragungen am Fernseher mit dabei.
St.-Elisabeth-Krankenhaus, Wittlich: 8. September, 19.30 Uhr, Klinikkonzert "Cello zwischen Land und Zeit", Cafeteria. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Elisabethkrankenhaus, Trier: bis 9. Oktober Ausstellung "Symphony of Colours" der Fotokünstlerin Meggie Heinrichs-Marunde im Foyer; 4. November bis 9. Dezember Jahresausstellung der Fotografischen Gesellschaft Trier. sys

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