Kultur: So war es bei Kay Ray in der Tufa Trier.

Trier : 50 Shades of Ray

Der bitterböse Bruder von Fips Asmussen: Komiker Kay Ray in der Tufa.

Paradiesvogel, Skandalnudel, androgyner Edelpunk, schwuler Friseur – die Liste der Bezeichnungen, mit denen Kay Ray im Laufe seiner nunmehr 30-jährigen Bühnenkarriere belegt wurde, ist lang. Kay Ray trat mit bunten Haaren auf, frisierte Zuschauer auf der Bühne, betrank sich während der Show und formte aus seinem Geschlechtsteil Figuren. Immer wieder erfindet er sich neu und zeigt seine vielen Schattierungen, dabei bleibt eines immer gleich: Sein derber Humor ist zotig, politisch unkorrekt und rabenschwarz. An diesem Abend in Trier wollen sich nur etwa 120 Besucher darauf einlassen. Doch das sind echte Fans. Noch bevor der Künstler eine seiner zahlreichen Pointen abgefeuert hat, wird er vom Publikum mit frenetischem Applaus bedacht. „Ich bin hier“ singt dieser gleich zu Beginn und präsentiert einen musikalischen Abriss aus 30 Jahren Bühnenleben. Dass Kay Ray singen kann, ist unumstritten, die Akustik ist an diesem Abend allerdings nicht die beste. „Wonach sieht‘s denn aus?“ heißt das aktuelle Programm – allerdings ist das kein roter Faden, der sich durch den Abend zieht. Kay Ray macht Themenzapping und lästert über alles und jeden, er kommt vom Hölzchen aufs Stöck­chen und hat eine Pointendichte, bei der die Zuschauer nicht mehr aus dem Lachen herauskämen, wenn der Entertainer nicht zwischendurch immer wieder mal zeigen würde, dass er einfach gerne singt. Songs unter anderem von Kate Bush, Ed Sheeran und Passenger hat er im Gepäck. Aber die wenigsten Menschen gehen wegen des Gesangs zu einem Abend mit Kay Ray. Zum befreienden Lachen ist man hergekommen, und dieses Ziel wird erreicht. Politische Unkorrektheit ist Kay Rays oberstes Gebot, besonders auf die Themen gendergerechte Sprache und Toiletten für das dritte Geschlecht hat er sich eingeschossen. „Sehr verehrte Damen und Herren – und die anderen 58“, spricht er die Zuschauer an und meint die 60 neuen Auswahlmöglichkeiten für Geschlechter, die Facebook anbietet. Den Spruch „Wir sind mehr“ findet er nicht gelungen, denn: „Quantität geht vor Qualität? 1933 waren wir auch mehr – ein paar weniger hätten uns aber besser zu Gesicht gestanden.“ Und überhaupt solle man Menschen nicht in verschiedene Gruppen einteilen. Es gäbe nur zwei Kategorien: Menschen und Arschlöcher. Und wenn man das so sehe, könne man grundsätzlich über jeden Witze machen. Und das tut er auch – ausgiebig und mit umso  mehr Freude, wenn aus dem Publikumsraum raunende Laute der Empörung kommen. Kay Ray ist der böse Bruder des Witzeerzählers  Fips Asmussen. Ein Gag jagt den nächsten in dem fast dreistündigen Programm. Ein Abend bei Kay Ray gleicht einem Fastfood-Essen: alles lecker und sättigend, aber nichts, wovon man noch lange spricht. Das unterscheidet ihn von den Kollegen aus der Sparte des politischen Kabaretts mit Tiefgang.