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Kulturzentrum Trifolion in Echternach: Was der neue Direktor Maxime Bender plant

Kulturprogramm : „Wir wollen die Türen noch weiter öffnen“

Zäsur im Kulturzentrum Trifolion in Echternach: Zum 1. Juli tritt der Musiker Maxime Bender das Amt des Direktors an und will das Haus neu ausrichten.

Der Neustart könnte komfortabler sein. Mitten in der Corona-Krise ein Kulturhaus zu übernehmen, das um jegliche Aktivität und manche Unterstützung bangen muss und seit Monaten geschlossen ist, weckt vermutlich wenig Neid. Nach dem Lockdown in Luxemburg sagte das Kulturzentrum Trifolion in Echternach erstmal alle Veranstaltungen ab, auch das für Juli geplante neu ausgerichtete Festival „Echterlive“. Maxime Bender, der als Direktor zum 1. Juli sein Amt antritt, strahlt trotzdem erstmal über alle Sorgen hinweg. „Es macht unfassbar Spaß“, sagt der 38-jährige studierte Jazzmusiker, „das Team ist super, und es ist interessant, Sachen zu entwickeln“.

„Sachen zu entwickeln“, das sind die keywords, wenn Maxime Bender von seinen Plänen fürs Haus spricht. Er will weg davon, nur fertige Produktionen für die Bühne einzukaufen, für die sich das Abendpublikum dann ein Ticket löse. Benders Idee ist es, vermehrt Produktionen vor Ort entwickeln zu lassen. Da darf dann ein professionelles Künstlerteam für zwei Wochen das Haus mit all seiner Infrastruktur nutzen, um ein Theaterstück zu konzipieren. Nächstes Jahr solle die Auftragsproduktion zum Thema „fake news“ im Trifolion entstehen und später auf der Bühne gezeigt werden.

Und das soll kein Einzelfall sein. Bender, der den Gründungsdirektor Ralf Britten bereits kommissarisch beerbte und im vergangenen Jahr das Festival Echternach („Echterlive“) federführend neu ausrichtete, sieht es als wichtige „Aufgabe eines solchen Kulturhauses“ an, Menschen die Möglichkeit zu bieten, dass sie sich hier kreativ entwickeln. „Was wir mehr machen wollen, ist, die Türen weiter öffnen.“ Da passt es gut, dass Bender selbst weit in der Luxemburger Kulturszene vernetzt ist. Er ist hier zur Schule gegangen, hat an der Musikhochschule in Köln Jazz Komposition und Jazz Saxofon studiert und ist  seit langem als Musiker und Lehrer in der Region Echternach und Luxemburg aktiv.

Keinen Hehl macht der neue Chef daraus, dass vor allem Luxemburger Produktionen stärker in den Fokus rücken als zuvor. „Wir kriegen das Geld ja auch von Luxemburg“, sagt er, „da ist es vom Kulturministerium auch erwünscht, dass die Szene hier unterstützt wird.“ Der Hauptfokus soll weiter auf der Musik liegen – schließlich sei das Trifolion mit seinem akustisch außergewöhnlichen Konzertsaal überhaupt wegen des Klassik-Festivals gebaut worden. Wichtig sei aber, „dass es nicht nur ein elitäres Haus ist, wohin man Samstagabend zum Klassikkonzert kommt, sondern ein Haus, mit dem man sich identifiziert, ein Ort für Freude, Spiel, Spaß.“

Übers Jahr sind Minifestivals vorgesehen – eines für Klassik im Oktober, eines für Jazz im Februar. Die bleiben auch nicht etwa im Trifolion, sondern gehen ebenso auf Bühnen der Stadt, in die berühmte  Basilika zum Beispiel, in die Ecole oder an den Echternacher See – „sodass wir die Stadt als Bühne noch mehr nutzen“. Weitere Konzerte aus den Bereichen Rock Pop Elektro sollen stärker junge Leute ansprechen, dazu an speziellen family-days und Kindertheater weitere Zielgruppen. Auch Workshops wie Instrumentenbau aus heimischem Holz oder Kinder-Yoga stehen auf dem Programm.

Als Türöffner sieht sich Bender auch hinsichtlich der rund 3000 Portugiesen, die vor Ort leben. So soll es künftig auch Angebote des Hauses in Französisch geben. Man dürfe Kulturangebote nicht nur so zuschneiden, dass ein deutscher Schauspieler einen Abend lang Texte vorlese „oder irgendein ZDF-Talkshowmaster – das zieht vielleicht ein paar Leute an, aber kulturrelevant ist es nicht“. Ein deutlicher Seitenhieb auf seinen Vorgänger, der sich besonders für die beiden Veranstaltungsreihen Literatur und „Horizonte“ engagiert hatte. „Das ist eine andere Herangehensweise, um den Saal zu füllen“, sagt Bender. Literatur soll weiterhin im Programm bleiben, aber in anderer Form und jedenfalls für ein breiteres Publikum.

Als Türöffner könnte auch das im Foyer geplante kleine Bistro werden, in dem freitags ab 17 Uhr regelmäßig und kostenlos im Sommer Konzerte angeboten werden.

Gerade hat das zwölfköpfige Trifolion-Team erfahren, dass Kulturveranstaltungen in Luxemburg wieder erlaubt sind. Allerdings gilt ein strenger Hygieneplan, dessen Umsetzung die Mitarbeiter noch eine Weile beschäftigen dürfte. Wie viele Zuschauer passen dann überhaupt in den auf 600 Besucher ausgelegten Saal? Wie viele Künstler auf die Bühne? Rechnet sich ein Programm dann überhaupt?

Rechnen müssen Bender und sein Team in jedem Fall. „Man hört links und rechts, dass Kürzungen kommen.“ Etwa die Hälfte des Etats zahlt derzeit die Gemeinde Echternach, ein Viertel kommt vom Staat, und den Rest muss das Haus durch eigene Einnahmen aus Tickets, Vermietungen oder von Sponsoren beitragen. „Die fetten Jahre sind vorbei“, meint der neue Chef, ergänzt aber, dass die Krise viel Kreativität befördere und neue Projekte hervorbringe. So versucht das Trifolion auch, Unterstützung aus dem luxemburgischen Förderprogramm zur Abmilderung der Corona-Krise zu erhalten.

Was es über den Sommer an Programm geben wird, ist noch offen. „Wir hatten eigentlich alles schon abgesagt, nun müssen wir uns wieder neu erfinden.“