Kunst kennt keine Grenzen

Kunst kennt keine Grenzen

Zum zehnten Mal wird morgen Abend in Luxemburg der Kunstpreis Robert-Schuman vergeben. Auch Trier ist mit vier eindrucksvollen Künstlern dabei.

Simon Rummel. Foto: In-Jung Jun.
Daniel Schieben. Foto: privat.
Markus Zender. TV-Foto: Archiv/Max henning Schumitz.

Trier/Luxemburg. Nicht nur der Euro tut es. Auch die Kunst will am politischen Ziel der Großregion und eines vereinten Europas mitwirken. Zum zehnten Mal wird am Donnerstag der Kunstpreis Robert-Schuman vergeben, den 1991 die vier Städte Metz, Luxemburg, Saarbrücken und Trier gemeinsam gestiftet haben. Die Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird, ist mit 10 000 Euro dotiert. Der Wettbewerb und die Ausstellung werden abwechselnd in einer der vier Städte ausgerichtet, in diesem Jahr ist Luxemburg an der Reihe. Pro Stadt werden jeweils vier Künstler zur Teilnahme am Wettbewerb von einem Kurator ausgewählt. Für Trier hat in diesem Jahr der Künstler Laas Koehler die Auswahl übernommen. Eine Jury wählt schließlich den Preisträger. Der Kunstpreis will seinem Namensgeber entsprechend ein Stück gelebte Großregion und gelebtes Europa mit auf den Weg bringen. Zudem steht der Preis für den grenzüberschreitenden Charakter der Kunst und ihre Fähigkeit, sich wortlos zu verständigen. 2007 ging der Preis zuletzt in die Region. Mit ihrer Video-und Installationskunst konnte die aus Wittlich stammende Pia Müller den Wettbewerb für sich entscheiden. In diesem Jahr schickt Trier vier Kandidaten ins Rennen, denen die Auseinandersetzung mit dem Raum gemein ist.Die Trierer Teilnehmer: Das erste Mal machte Daniel Schieben 2008 auf sich aufmerksam. Damals gehörte er in der Ausstellung der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst "6 x Neu" zu jenem halben Dutzend Künstler, die als Neuzugänge der Vereinigung vorgestellt wurden. Mit seiner Serie 80g, die vom Papier im freien Fall handelte, überzeugte der junge Fotograf auf der Stelle. Schon damals beschäftigte sich der 1979 in Trier geborene Künstler mit dem Thema Unschärfe. Den Fotos von damals folgten Serien, die sich mit Mehrfachbelichtungen auseinandersetzten. Mit seiner derzeit in der Tufa gezeigten Serie "Horizonte" belegt der Autodidakt, der nach eigener Aussage allerdings von klein auf lernte in "Fotos zu denken", einmal mehr sein Können. Schieben gelingen Fotos von großem malerischen Reiz und zarter Poesie, in denen Häuser, Landschaften und Himmel sich zu neuen Bildern formieren. Dabei verschwindet der Raum in der Fläche. Wirklichkeit wird zur horizontalen Linie reduziert. "Es geht mir um die Veränderung der Wahrnehmung und ihre Unsicherheit", sagt der Fotograf.Prominent und vielfach ausgezeichnet ist die aus Leiwen stammende Fotografin Rut Blees Luxemburg, Jahrgang 1967. Zum zweiten Mal ist sie in diesem Jahr bereits für den Kunstpreis Robert-Schuman nominiert, zudem ist sie Ramboux-Preisträgerin der Stadt Trier. Lange schon hat die Künstlerin die Region verlassen, zunächst zum Studium am London College of Communication und später wechselte sie an die Londoner University of Westminster. Bis heute lebt sie in der Stadt an der Themse. Der Stadtraum, seine Plätze und Bauten bleiben das Biotop der Fotografin. Rut Blees Luxemburg ist eine fotografische Nachtschwärmerin. In ihren stimmungsvollen Bildern wird die Stadt zum lockenden wie schreckenden Nachtreich. Ihre Perspektiven und ihre Lichtführung entdecken die Stadt und ihre Bauten als großen Organismus voller geheimnisvoller Räume, Zwischen- und Unterwelten. Den geistigen wie materiellen Raum thematisiert der in Trier lebende Markus Zender in seinen abstrakten Collagen "Dynamics", die er auch zum Wettbewerb eingereicht hat. Aus alten Plakaten schneidet er Stücke und abstrakte Formen und klebt sie zu vielschichtigen farbenprächtigen Räumen zusammen. "Dynamics" ist eine Art endlose Geschichte, die Zender ganz spontan als Bilderfolge nach Lust und Laune liegenlässt oder weitererzählt. Überhaupt sind es die Lust und Laune, die den gelernten Grafiker vor allem zur freien Kunst drängen. "In der Kunst fühle ich mich ungebunden und frei", sagt der 1969 geborene Künstler. Frei wählt er auch gern seine Mittel. Zender ist ein Multi-Media-Künstler, der vom Video zum Schweißapparat wechselt, um ein Objekt herzustellen und anschließend mit einem Spezialgerät die Stücke für seine Collagen schneidet. "Ich spiele gern", dieses Credo gehört für den Trierer Künstler auch zur Lust an der Kunst. Die Auseinandersetzung mit dem Raum gehört für Zender zu den großen Herausforderungen. Und überdies: "Ich möchte auch, dass sich für den Betrachter ein ästhetischer Genuss ergibt". Was ganz besonders für Zenders "Dynamics" gilt.Ein Cross-Over-Künstler mit bemerkenswerter Werks- und Wettbewerbsbiographie ist auch der 1978 in Trier geborene und in Köln lebende Simon Rummel. Nach mehreren Jahren bei den Trierer Sängerknaben studierte er in Köln Jazz-Piano und Komposition, anschließend Freie Kunst an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zudem arbeitete er als Regieassistent, Bühnenbildner und Kantor. Seine Kompositionen, die immer wieder den Alltag als Kunstraum und das tägliche Leben als große Partitur erleben lassen, sind eine Mischung aus Jazz, Klassik und experimenteller Musik. Auch als Komponist in der Küche und beim Erstellen von Computerprogrammen hat sich Rummel bewährt. Bisweilen erinnert seine Kunst an Dada und minimalistische Kunst. Rummel beschäftigt sich nach eigenen Angaben immer wieder mit der "Schnittstelle von Partitur und Zeichnung", seine Objekte und Installationen loten zudem den Raum und die Beziehung von Plastik und Zeichnung im Raum aus. Für Luxemburg hat der Künstler eine Klanginstallation erarbeitet.Die Ausstellung im Cercle in Luxemburg ist bis 10. Juli täglich von 11 bis 19 Uhr zu sehen.

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