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Kunstgeschichte(N): Römische Kinder im Schulstress

Diese römische Schulszene stammt aus einem Haus im Moselort Neumagen. Man schätzt, dass das Bild im 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus entstanden ist. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Diese römische Schulszene stammt aus einem Haus im Moselort Neumagen. Man schätzt, dass das Bild im 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus entstanden ist. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Trier. Bald sind die Sommerferien leider schon wieder vorbei. Dann fängt der Stress mit dem Aufstehen, den Hausaufgaben und den Noten von neuem an. Eva-Maria Reuther

Ein kleiner Trost: Nicht erst Kinder von heute stöhnen manchmal über die Schule und die strengen Lehrer. Das war schon bei den alten Römern so. Mit sechs Jahren wurden die meisten römischen Kinder in die Elementarschule, die römische Grundschule, geschickt. Sie dauerte vier Jahre. Mädchen und Jungen lernten dort rechnen, schreiben und lesen. Zum Schreiben benutzten die Kinder Wachstafeln und Griffel. Hefte oder Schreibblöcke gab es nicht. Stattdessen schrieb man auch auf Pergamente (das sind bearbeitete Tierhäute) oder eine Art Papier aus Pflanzenfasern. Eine Schulpflicht - dass also jedes Kind eine zeitlang in die Schule gehen muss - gab es bei den Römern nicht. Ob Kinder in die Schule kamen, war Sache der Eltern. Die meisten Mädchen mussten schon mit zwölf Jahren die Schule verlassen. Stattdessen lernten sie zu Hause nähen und kochen. Staatliche Schulen gab es auch erst später. Der Unterricht fand auf dem Forum, dem Marktplatz statt. Der Lehrer saß auf einem hohen Stuhl, die Schüler auf Schemeln um ihn. Bezahlt wurden die Lehrer von den Eltern. Der Elementarschule folgte die Literaturschule, so etwas Ähnliches wie heute das Gymnasium. Sie dauerte bis zum 16. Lebensjahr. Dann folgte vier Jahre lang die Rhetorikschule, wo man berühmte Schriftsteller las und lernte, Reden zu halten. Schon römische Kinder lernten mehrere Sprachen. Neben Latein übten sie Griechisch, das war die Weltsprache, wie heute Englisch. Die weiterführenden Schulen waren teuer. Nur gut verdienende Leute konnten ihre Kinder dorthin schicken. Viele reiche Leute stellten eigene Hauslehrer an, die ihre Kinder unterrichteten, so wie die Familie aus Neumagen, aus deren Haus die Schulszene auf dem Bild stammt. In der Mitte sitzt der Lehrer. Die beiden älteren Schüler haben eine Schriftrolle - das waren die römischen Bücher - in der Hand. Wahrscheinlich haben sie gerade einen Text gelesen, der jetzt besprochen wird. Dazu kommt ganz rechts ein jüngerer Schüler, der seine Tafel dabeihat. Das Denkmal, auf dem die Schulszene abgebildet ist, steht in Trier im Rheinischen Landesmuseum. Und eine gute Kopie vom Original ist auf dem "Archäologischen Rundweg" in Neumagen zu finden. Eva-Maria Reuther