KUNSTGESCHICHTE(N)

Max steht mit Mama und Papa im Museum vor einem alten Buch aus dem Mittelalter. Das war die Zeit vor 1500 bis 600 Jahren, erklärt Papa.

Das Buch ist handgeschrieben, und die Anfangsbuchen der Seiten sind ganz toll verziert. Gehört hat das Buch einem Kaiser. "Schau dir mal an, wie schön das geschrieben ist", sagt Mama zu Max. "Da kannst du dir mal ein Beispiel nehmen." Papa, dessen Schrift sowieso keiner lesen kann (sagt Mama), kommt Max zur Hilfe: "Max ist weder im Schönschreibklub noch ein mittelalterlicher Mönch. Und außerdem war das hier eine mörderische Arbeit." Stimmt: Bücher zu schreiben war vor der Erfindung des Buchdrucks eine mühsame Sache. Im Mittelalter wurde das meistens von Mönchen gemacht. Die Klöster hatten dazu eine Schreibstube, das Scriptorium, in dem die Mönche an kleinen Pulten saßen und den ganzen Tag Texte für Bücher aus anderen Büchern abschrieben. Zum Beschreiben wurde in Rechtecke geschnittenes Pergament verwendet. Pergament ist getrocknete Tierhaut. Bevor man mit dem Schreiben anfing, wurden Linien vorgezeichnet, damit die Zeilen gerade verliefen. Geschrieben wurde mit dem angespitzten Kiel, dem mittleren Steg einer Vogelfeder, der in Tinte getaucht wurde. Bei wertvollen Büchern wurden die Anfangsbuchstaben der Seite kunstvoll gestaltet und verziert. Auch die Seitenränder wurden mit Bildern geschmückt. Welche Farben die Maler verwendeten, hing vom Bild ab und wie teuer das Buch werden durfte. Eine Bibel oder ein Gesangbuch für einen Kaiser wurde oft mit viel Gold gemalt. Gold war die teuerste Farbe. Überhaupt konnten sich nur Kaiser und Könige solche teuren Bücher leisten. Eine ganz berühmte Schreibstube, die auch den Kaiser belieferte, war hier ganz in der Nähe im Kloster der Abtei Echternach. Im Museum dort kann man bis heute ein Modell sehen. Eva-Maria Reuther