Kunstgeschichte(n)

Max hat sich schon die ganze Woche auf den Martinszug gefreut. Jetzt steht er mit Mama und Lena vor dem brennenden Martinsfeuer und sieht zu, wie Sankt Martin um die Flammen reitet.

"Wozu wird eigentlich das Feuer angezündet?", fragt Max. "Sankt Martin ist bestimmt auch kalt", meint Lena und wickelt ihren Schal fester um den Hals. Der hat ja seinen halben Mantel verschenkt." Max wird nachdenklich: " Der arme Mann, der den Mantel bekommen hat, friert sicher auch." Tatsächlich hat das Martinsfeuer etwas mit Kälte, aber vor allem mit Dunkelheit zu tun. Ungefähr seit 500 Jahren haben bei Christen die Martinsfeuer Tradition. Der Brauch, solche Feuer anzuzünden, ist aber viel älter. Es gab ihn bereits bei den alten Germanen. Schon immer fürchten sich Menschen vor der Kälte und der Dunkelheit. Ganz früher glaubten sie sogar, im Dunkeln hielten sich böse Geister auf. Der Winter war die dunkelste und kälteste Zeit im Jahr. Wenn er herum war und es im Frühjahr endlich hell wurde, zündeten die Germanen vor Freude große Feuer an. Endlich waren der Winter und die Angst vorbei. Dass am Martinstag ein großes Feuer angezündet wird, geht wahrscheinlich auf diese frühen Feuer zurück. Für Christen hat das Martinsfeuer aber noch andere Gründe. In früheren Jahrhunderten wurden vor hohen kirchlichen Festen wie Weihnachten oder Ostern Lichterumzüge veranstaltet - so wie heute der Martinszug. Nur, dass die Teilnehmer keine Laternen, sondern Kerzen in der Hand hielten. Damit wollten die Gläubigen Gottes Wärme und Licht in die dunkle, kalte Welt tragen. Genau das soll auch das Martinsfeuer tun und das wollte Sankt Martin mit seiner guten Tat. Und das zeigen auch die Lichter in den Laternen der Kinder. Sie sind nichts anderes als lauter winzige Martinsfeuer. Viele Kirchen auch hier in der Region sind dem Heiligen Martin geweiht. Sein Bild haben viele Künstler gestaltet. Er ist eben ein leuchtendes Beispiel. Eva-Maria Reuther