Kunstwerk der Woche Der Turm als Sinnbild des Wachstums

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich gerade, während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region. Heute: Britta Deutsch.

 Blick in  die Turm: die Plastik „Babel“ von Britta Deutsch.

Blick in  die Turm: die Plastik „Babel“ von Britta Deutsch.

Foto: Eva-Maria Reuther

Wir müssen wieder in den Antriebsmodus kommen“, sagt Britta Deutsch.  Schließlich könne auch  das beste Online-Programm  „leibliche Präsenz“ nicht ersetzen. Die Bildhauerin, die mit ihrem Künstler-Kollegen Sebastian Böhm dem Trierer Kunstverein Junge Kunst vorsteht, weiß, wovon sie redet. Wie viele andere  musste auch der Verein mit  seinem Galerie-Programm auf allerhand digitale Formate zurückgreifen, um im Gespräch zu bleiben. Ruhen musste  in der bleiernen  Corona-Zeit  auch Deutschs pädagogische Arbeit in zwei Trierer Grundschulen.

Umso mehr kam die zwangsweise Entschleunigung der Konzentration auf die Atelier-Arbeit zugute. Was durch Arbeitsstipendien aus dem rheinland-pfälzischen Förderprogramm „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“ abgefedert wurde. Entstanden sind so eine Reihe eindrücklicher Arbeiten zum Thema „Turm“ und „Wandern“.  Wo die Pandemie soziale Kontakte lahmlegte, brachte sie vielerorts Mensch und Natur einander näher. Das mag auch für Britta Deutsch gelten.

 Ihr wichtigster Werkstoff ist das Holz. Um geeignete Stücke zu finden, brach sie regelmäßig  zu Wanderungen auf.  Die Bewegung  in der Natur wurde dabei selbst  Anlass wie Thema künstlerischer Reflektion. „Beim Gehen denkt man anders“, sagt die Künstlerin. Seit jeher stehen im Zentrum von Deutschs Werk nicht die Möglichkeiten der Masse. Vielmehr reflektiert sie Aufbau, Struktur und Dynamik ihrer Plastiken, die sie kleinteilig mit geradezu zeichnerischer Genauigkeit sichtbar macht.  Das lebendige Material Holz zwingt sie, sich  mit ihrem Werkstoff gleichsam auf Augenhöhe  auseinanderzusetzen. „Ich arbeite ja mit der Natur“, sagt die Künstlerin. „Wenn ich nicht mit  dem Holz in Dialog trete, stellt es sich gegen mich“. Gerade der Umgang mit jungem Material erfordere viel Erfahrung. Schrumpfprozesse und plötzliche Risse machten es unberechenbar.

Wandel, Wachsen und Bewegung sind die zentralen Themen, denen sich die  Bildhauerin über das Thema des Turms widmet. Der ist in Deutschs Arbeiten kein statisches, festungsartiges  Monument sondern ein Bild des Wachsens, der Bewegung  des sich Verjüngens, zuweilen auch des maßlosen Strebens, wie der Titel „Babel“ einer der Arbeiten signalisiert. Auch eine Art des Widerstandes gegen die angehaltene Welt und  eine Aufforderung, optimistisch zu bleiben und  neue Ausblicke zu wagen. Eva-Maria Reuther