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Kunstwerk der Woche: Pia Müller

Kunstwerk der Woche : Gefäße für die Erinnerung

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region. Diese Woche: Pia Müller

Wer sich an ihre Performance zum Robert -Schuman-Preis in Trier erinnert, hat eine Künstlerin vor Augen, die sich mit kompromissloser Unbedingtheit in ihre Arbeit einbringt, damals buchstäblich mit Leib und Seele. Das war 2007. Inzwischen hat sich die Gewinnerin des Vier-Städte-Preises anderen Themen gewidmet. Pia Müller (verheiratete Wiersch) ist in ihre Heimatstadt Wittlich zurückgekehrt, wo sie mit ihrer Familie lebt und bis vor kurzem eine Malschule betrieb. Als Folge der Pandemie musste sie die Schule aufgeben. Zeit sich zu sortieren, wie die Künstlerin findet und sich vielleicht sogar neu zu erfinden (wenn das nicht so ein abgegriffenes Wort wäre). Pia Müller kommt ursprünglich aus der Bildhauerei und der Malerei. Nach dem Umweg über eine Schneiderlehre begann sie 1999 ihr Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Dabei war ihr die intermediale Arbeit wichtig. „Die Kunst war immer mein Traum“ sagt Müller. „Das Studium hat mir unerwartete Wege geöffnet, bis hin zur Performance“. In Corona Zeiten gilt nun: alles zurück auf Anfang soll heißen zur Bildhauerei. Bereits in den vergangenen Jahren ist die Künstlerin immer wieder durch gleichermaßen witzige wie hintergründige bildhauerische Arbeiten aufgefallen. Ihr neuestes der Pandemie geschuldetes Projekt kommt ebenso humorvoll wie nachdenklich daher. Müller hat eine Serie aus keramischen „Urnen“ begonnen, in denen sie ihre Erinnerungen bewahrt. Ein Projekt, das bei einer 1978 geborenen Frau wohl eher als vorläufige Zwischenbilanz und geordnete Lagerhaltung zu verstehen ist. Das erste fertig gestellte Gefäß birgt die Erinnerung an eine lebensbedrohliche Keuchhusten-Erkrankung des ganz jungen Säuglings und seinen Überlebenskampf. „Hätte ich das nicht überstanden, wäre ich vielleicht nicht so eine Kämpferin geworden“. Wenn Müller das sagt, klingt viel Ernst in der munteren Stimme. Dem ersten Kampf folgten weitere. Zehn Behälter hat sich die Künstlerin vorgenommen, um zu ordnen, was sie erlebt und durchlitten hat. Die zugehörige Episode erzählt jeweils die Inschrift der Urne. Allerdings wäre Pia Müller nicht sie selbst, würde sie aus dem Projekt eine Weihefeier in eigener Sache machen. Witz und die feine ironische Brechung geben auch ihrer jüngsten Arbeit die notwendige Leichtigkeit. Die Urnen haben Schwung und Dynamik. Und ein bisschen schräg sind sie auch.

Eva-Maria Reuther

Kontakt zur Künstlerin über Telefon: 0151/27034587