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Kunstwerke für den Gabentisch?

Initiator Tobias Hött vor dem bis vor kurzem verschollen geglaubten Werk von Reinhard Heß. TV-Foto: Mandy Radics
Initiator Tobias Hött vor dem bis vor kurzem verschollen geglaubten Werk von Reinhard Heß. TV-Foto: Mandy Radics
Trier. Der Trierer Kunsthistoriker Tobias Hött lässt eine Tradition aus den fünfziger Jahren auferstehen - die sogenannte Weihnachtskunstausstellung. Im "Livingroom" in der Zurmaiener Straße stellt er die Werke bekannter Trierer Künstler aus. Die teilweise seltenen Stücke können auch käuflich erworben werden. Mandy Radics

Trier. Die Idee ist clever. Man nehme den Ausstellungsraum eines Trierer Malermeisters, in dem in heimeliger Wohnzimmeratmosphäre Wandfarben, Tapeten und Bodenbeläge kombiniert mit Möbeln und Accessoires präsentiert werden. Dazu gibt man Farbtupfer in Form von Kunstwerken bekannter Trierer Künstler und mischt alles harmonisch zusammen. Schon hat man eine Weihnachtsausstellung, wie es sie schon 1947, initiiert von der Werkkunstschule, in Trier gab. "Diese Ausstellungen haben dazu angeregt, Kunst zu kaufen und so die jungen Künstler finanziell zu fördern", erklärt Initiator Tobias Hött, selbst Trierer und studierter Kunsthistoriker.
Damals hatte der bekannte Trie rer Maler Reinhard Heß (1904-1998) dort ausgestellt, dem Hött bereits 2009 eine Retrospektive im Kurfürstlichen Palais gewidmet hat (der TV berichtete). Für die Ausstellung hatte Hött zahlreiche, bis dahin unbekannte Heß-Werke zusammengetragen.
Im sogenannten "Livingroom" werden nun bis zum 31. Dezember Werke von Heß und anderen Künstlern, die in Trier gelebt und gearbeitet haben, gezeigt. Das Besondere: "Wir stellen die Werke nicht nur aus, Kunstliebhaber können sie auch kaufen", erklärt Hött. Zu sehen sind Ölgemälde, Aquarelle, Tuschezeichnungen, Grafikdrucke oder Skizzen. Seit der Eröffnung am vergangenen Wochenende sind schon sechs Bilder verkauft worden. "Manchmal entscheidet sich der Käufer aber auch für die Lampe, die vor dem Bild steht", sagt Hött lachend.
Nicht nur Heß-Werke stehen in dem mehr als 200 Quadratmeter großen Wohnzimmer, auch Bilder von Edvard Frank (1909-1972), Edgar Ehses (1894-1964) und Jakob Schwarzkopf (1926-2001). Trotzdem bildet Reinhard Heß den Mittelpunkt der Schau. Das mag daran liegen, dass Tobias Hött auch ein persönliches Interesse hat. Denn Hötts Urgroßmutter war die Schwester des Trierer Malers, nach dem sogar eine Straße in Trier benannt ist. Seine Fenstermalereien sind heute noch in der Jesuitenkirche, in St. Matthias und in der Domkrypta zu sehen.
Seit der Retrospektive im Jahr 2009 sind kontinuierlich weitere Werke aufgetaucht. "Immer wieder haben mir Leute Bilder gebracht, um sie einordnen zu können oder um sie zu verkaufen", sagt Hött. "Eines der Hauptwerke der Ausstellung ist ein längst verschollen geglaubtes Gemälde aus den sechziger Jahren, das vor kurzem in Lüneburg vererbt wurde. Bei der Recherche ist der jetzige Besitzer auf den TV-Artikel von 2009 gestoßen und hat mich kontaktiert."
Mit der Ausstellung wird der Kunstverein Trier Junge Kunst unterstützt, der jungen und unbekannten Künstlern die Möglichkeit bietet, in deren Räumlichkeiten auszustellen.
Dauer: bis 31. Dezember. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr. Adresse: Zurmaiener-Str. 51, 54292 Trier.