1. Region
  2. Kultur

Kurzes Gastspiel von Lang Lang

Kurzes Gastspiel von Lang Lang

Finger aus Gummi, schmachtende Blicke ins Publikum: Auftritte von Lang Lang sind was fürs Auge, vor allem aber gehen die Künste des chinesischen Starpianisten ins Ohr. Auch in der Luxemburger Philharmonie verzückt der 33-Jährige das Publikum mit seinem flinken Handwerk. Als er die Bühne verlässt, gehen auch viele Zuschauer.

Luxemburg. Der Arzt aus Trier spielt auf Risiko. Die Karten für den Auftritt von Lang Lang in der Philharmonie sind lange vergriffen. Trotz leerer Hände und miesen Wetters sitzt er im Bus nach Luxemburg, um den chinesischen Starpianisten zu sehen. "Abgewiesen wurde ich am Eingang noch nie", sagt er und lächelt. Im Regen bleibt er auch am Wochenende nicht stehen. Im Gegenteil. Der Trierer erhält einen Stehplatz - und sitzt nach der Pause sogar bequem in Reihe 5, nah an der Bühne. Der Grund für das Glück: Zu dem Zeitpunkt hat der große Star des Abends seinen Auftritt schon hinter sich. 37 Minuten dauert das Gastspiel von Lang Lang. Danach leeren sich einige Sitze, obwohl das National Symphony Orchestra aus Washington noch spielt. "Wer früh gegangen ist, hat schöne Musik verpasst. Ich finde es schade, dass viele nur Lang Lang sehen wollten", sagt der Trierer bedauernd. Trotz des eigenen Sitzplatzerfolgs.
Das Fluchtverhalten einiger Besucher mag daran liegen, dass Lang Lang eben als globale Marke bekannt ist. Der 33-Jährige hat ein Lausbuben-Gesicht, mehr als 332 000 Facebook-Fans, Millionen von Klicks auf seinen Videoausschnitten auf YouTube, selbst kreierte Parfüms und eine spannende Biografie.

"Spring und stirb!"


Lang Lang war keine zwei Jahre alt, da entschied er nach einer Zeichentrickfolge von Tom und Jerry, dass er Pianist werden wollte. Er sah in einer Episode, wie der Kater auf dem Klavier spielte. Der Weg zu seinem Traum war beschwerlich. Er durchlief den Drill seines Vaters, der ihn üben, üben, üben ließ - und dem Sohn nach dem vernichtenden Urteil einer Klavierlehrerin auf dem Balkon zurief: "Spring und stirb!" Lang Lang gab nicht auf und wurde ein Star. Einer, der schon für US-Präsident Barack Obama spielte und der einen eigenen Stil pflegt.
Diesen zeigt Lang Lang auch bei dem Auftritt in Luxemburg. Dort übernimmt er beim Klavierkonzert von Edvard Grieg den Part am Piano. Immer wieder treibt er sich mit dem Orchester-Dirigenten Christoph Eschenbach - einem Freund und Förderer - wild gestikulierend an. Seine Finger wirken elastisch wie Gummi und gleiten so flink über die Tasten, dass die Augen ihnen unmöglich folgen können.
Und der chinesische Star genießt seine Freiheiten. Sein schmachtender Blick wandert ab und an ins Publikum. Ein Grund, warum seine Fans ihn lieben. Als er zum Abschied einen Blumenstrauß an eine Frau aus dem Orchester weiterreicht, klatschen die Besucher laut. Das Gastspiel von Lang Lang ist kurz - aber wer kann so einem Gentleman schon böse sein?