Kurzkritik: Cristina Branco in Luxemburg

Kurzkritik: Cristina Branco in Luxemburg

Der große Saal der Luxemburger Philharmonie ist voll. Im Publikum sitzen viele Portugiesen.

Kein Wunder, Cristina Branco steht heute auf dem Spielplan. Die waschechte Portugiesin hat sich dem Fado gewidmet, dem portugiesischen Nationalgesang, der von Liebe, Sehnsucht und Schmerz erzählt. Doch Branco begnügt sich nicht mit dem typischen Fadogesang. Ihr elftes Album lässt zwei ausdrucksstarke Musikstile eine Verbindung eingehen - den Fado und den Tango. Technisch und musikalisch ist das Konzert perfekt. Brancos Stimme überzeugt. Ricardo Dias (Piano, Akkordeon), Bernardo Couto (portugiesische Gitarre), Carlos Manuel Proenca (Fado-Gitarre) und Bernardo Moreira (Kontrabass) harmonieren mit ihren Instrumenten. Doch der Funke will einfach nicht überspringen. So perfekt die Musiker die Songs präsentieren, so steril wirkt die Vorstellung. Brancos Interaktion mit dem Publikum ist schwach, unnahbar. Ihre Musiker wirken nahezu apathisch, gelangweilt. Dass der Pianist ein Gähnen nicht unterdrücken kann, verstärkt diesen Eindruck. Branco singt nicht nur in ihrer Landessprache, sondern auch auf Spanisch und Französisch. Auf ihrer musikalischen Reise wandelt sie zwischen Paris, Lissabon und Buenos Aires, pickt Elemente aus dem Fado heraus. Aus dem Französischen vertont sie das Gedicht "Invitation au voyage" von Charles Baudelaire. Auch "Anclao en Paris" der Tangogröße Carlos Gardel interpretiert Branco auf der Bühne. Zwei Zugaben spielt das Quintett. Es gibt vereinzelt stehende Ovationen. Doch auch hier schaffen es die Musiker nicht, das gesamte Publikum zu begeistern. Mandy Radics