Kurzkritik: Die Höchste Eisenbahn in Wawern

Kurzkritik: Die Höchste Eisenbahn in Wawern

Drei Männer, zwölf Lieder, 20 Zuschauer: Familiärer geht es kaum bei einem Konzert. Und in den intimsten Momenten am Sonntagabend in der Synagoge Wawern (VG Konz) singt das Publikum das "La-la-la-la" oder ein Fragment aus dem Refrain zu Stücken von Moritz Krämer und Francesco Wilking alias Die Höchste Eisenbahn.

Max Schröder (Tomte) am Schlagzeug ergänzt das Duo; Bassist Felix Weigt fehlt diesmal. Das Trio setzt auf eingängige Melodien: Rock, Pop, ein bisschen Jazz. Leichten Herzens singen die Männer schlagerhafte Chöre, folgen verspielt bekannten Harmonien. Mal sitzt Moritz Krämer am Piano, mal hängt er sich die E-Gitarre oder die akustische um; singt dann mit geschlossenen Augen über seine Jugend nahe Freiburg zu Zeiten des Tschernobyl-Atomunfalls oder vom Spatz, der gen Süden fliegen will, nicht kann und sich aus einer Pfütze besäuft. Francesco Wilking, bekannter mit der Band Tele, wechselt sich mit seinem Kollegen an den Instrumenten ab. Er bedichtet Beziehungsmüdigkeit, Depression oder die Geschichte von Jan, der nie zufrieden ist, nicht mal bei Moselwein - eine Zeile, die Wilking spontan einbaut. Traurig, reizt aber auch zum Lachen und Nachdenken. "Die haben wirklich was zu sagen", meint Hans Greis aus Wawern. "Sehr schön", findet Konstantin Luhnert aus Trier das Konzert; er hat mitgesungen, genauso wie Charlotte Martin Yuste. Sie sagt: "Es war sehr persönlich." Ähnlich geht es der Berliner Band. Francesco Wilking: "Es war super, wir konnten uns gut hören und auch weiter weg vom Mikrofon singen." Er nennt die Musik ein Experiment, das erst ein paar Monate alt ist. Nach der Tour, die am 3. Oktober endet, geht es ins Studio. "Wir werden eine Platte machen, dann gehen wir wieder auf Tour", sagt Wilking. Noch ein Konzert im kommenden Jahr in der Region Trier, das kann er sich gut vorstellen. Oliver Haustein-Teßmer

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