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Kurzkritik: Orchestre Philharmonique

Kurzkritik: Orchestre Philharmonique

Überlassen wir die Kritik an den Doppelbesetzungen der Bläser und dem durchgängigen Einsatz der Wagnertuben (Bruckner schreibt sie nur für zwei Sätze vor) getrost den Puristen. Das Luxemburger Orchestre Philharmonique, kurz OPL, unter Emmanuel Krivine hat in der Philharmonie mit Bruckners Siebter ein orchestrales und interpretatives Glanzstück zustande gebracht.

Der ruhige, atmende Einstieg, die weithin präzise Dynamik, die lebendig und sorgfältig artikulierte Thematik, die sorgfältigen Übergänge und schließlich die helle, transparente Klanggebung: Krivines Bruckner-Interpretation hat sich von allem teutonischen Ballast befreit. Sogar der zweite Satz mit seinem Wagner\'schen Pathos verbreitet keinen Weihrauch, sondern eine lichte, zarte Trauer, die sich auf dem Höhepunkt auch ohne den umstrittenen Beckenschlag zu eindringlicher Gewalt steigert. Statt verquaster Religiosität dominiert bei diesem Bruckner eine fromm-nachdenkliche Lebensfreude. Exzellent! Zu Beginn Alban Bergs "Sieben frühe Lieder". Krivine und seine Luxemburger feilten die reiche Orchesterpolyphonie penibel aus - eine Vielstimmigkeit, die trotz ihres Reichtums immer transparent bleibt. Solosopran Susanne Elmark freilich muss sich bei Berg meist in Mezzo-Regionen aufhalten und hat es schwer, gegenüber dem großen Orchester ausreichend Deutlichkeit und akustische Präsenz zu erreichen. Vielleicht wäre es für alle ein Gewinn gewesen, wenn sich Krivine auf die kleinere Besetzung beschränkt hätte, die Berg vorschlägt. Martin Möller