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Kurzkritik: Schubert in Luxemburg

Kurzkritik: Schubert in Luxemburg

Ob Schuberts brillant-handfest musizierten Drei Klavierstücke D 946 oder die Mendelssohn-Ouvertüren "Heimkehr aus der Fremde" und "Hebriden" in eigenwillig-kantigen, jedenfalls unkonventionellen Interpretationen: Der erste Teil dieses Konzerts in der Philharmonie entpuppte sich als eine Reihe von Durchgangsstationen.

Es scheint, als hätten der Pianist Gerhard Oppitz und die "Solistes Européens" unter ihrem Chef Jack Martin Händler von Anfang an auf ein Werk gezielt und an dieses ihre ganze künstlerische Energie gewandt. Dem großen d-Moll-Klavierkonzert (Nr. 1) von Johannes Brahms gaben sie eine wunderbare Dichte, Fülle, Tiefe und Reife mit - klassische Strenge und romantische Versenkung zugleich. Oppitz, Händler und die "Solistes" musizieren mit einem sicheren Formgefühl und einem geistig-emotionalen Gleichklang, der in diesem vielschichtigen Werk alle Nuancen zum Klingen bringt. Exemplarisch der zweite Satz. Vom behutsamen Beginn an spielt sich Oppitz in geradezu mystische Tiefen hinein, die Streicher der "Solistes" entfalten eine einzigartige Wärme und Zartheit und die Bläser klingen präsent ohne Aufdringlichkeit. Ein anspruchsvoller, ein inhaltsreicher Brahms, frei von Forcierungen, Akademismus und leer laufender Virtuosität. Ein Erlebnis!

Martin Möller