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Kurzkritik: Sonny Rollins in der Philharmonie

Kurzkritik: Sonny Rollins in der Philharmonie

Langsam und vorsichtig schlurft Sonny Rollins auf die Bühne. Allmählich richtet er sich auf, schaut seine fünf Bandkollegen kurz an.

Und schon spielt er auf seinem golden leuchtenden Saxofon die ersten Töne. Erst leise, dann allmählich lauter werdend, erkundet er den großen Saal der Philharmonie. Mit seinem warmen Saxofonsound elektrisiert er jeden einzelnen der 1500 Zuhörer. Der Colossus - das ist einer der vielen Spitznamen für Rollins, zugleich aber auch der Titel eines seiner ersten Alben aus dem Jahr 1956 - feuert mit seinen musikalischen Ideen seine fünf Bandmitglieder (Clifton Anderson: Posaune, Saul Rubin: Gitarre, Bob Cranshaw: Bass, Sammy Figueroa: Perkussion, Kobie Watkins: Schlagzeug) immer wieder zu Höchstleistungen an. Ob im Solo oder im Wechselspiel mit seinen Mitmusikern, die Spielfreude des 82-Jährigen kennt keine Grenzen. Mal haucht Rollins sanft in sein Rohr, um dann wieder musikalisch zu explodieren. Körper und Instrument verschmelzen miteinander. Immer wieder streut er Subtones - tiefe Basstöne - ein, die er zu einem Klangteppich verwebt. Rollins schreibt seit sechs Jahrzehnten Jazzgeschichte. Schon Mitte der 1950er Jahre zählte er zu den Stars der Szene. Auf der Brooklyn-Bridge in New York suchte er vier Jahre lang seinen Sound. Dieser Saxofonklang fasziniert bis heute - egal, ob Rollins eigene Stücke seiner Frühzeit wie "Don\'t Stop the Carneval" oder "St. Thomas" spielt, oder Lieder, die er erst kürzlich komponiert hat, wie etwa "Serenade". Die Zuhörer in Luxemburg nimmt er mit auf seine musikalische Zeitreise: "Enjoy each minute, each day, each night, cause they are special" (Genieße jede Minute, jeden Tag, jede Nacht, denn jeder Moment ist einmalig). Eine traumhafte Zauberformel. Alexander Schumitz