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Kurzkritik: Tom Gabel in Trier

Kurzkritik: Tom Gabel in Trier

Tom Gabel, Frontmann der Band Against Me! hat in seinem Solokonzert im Exhaus Trier den musikalischen Beweis erbracht, dass Songwriting durchaus politisch sein kann. Dass Tom Gabel auch auf Solopfaden nichts von vorsichtiger Höflichkeit hält, stellt er gleich zu Beginn klar.

Mitten in seinem Eröffnungsstück bricht er ab, um einen mitfilmenden Fan sichtlich genervt zurechtzuweisen: Konzertmitschnitte auf Facebook und Twitter hätten nichts mit Punkrock zu tun. Szenenapplaus im prall gefüllten kleinen Exil. Oft ist es das traurige Schicksal von Exhaus-Konzerten, dass ebenso interessante wie weitgereiste Künstler vor einem Publikum spielen, das nur unwesentlich größer ist als die Band. Dieser Kelch ging an Tom Gabel vorüber - trotz des happigen Abendkassenpreises von 18 Euro. Zu verdanken sein dürfte das auch dem immer noch ruhmreichen Namen von Gabels Band Against Me!, deren Frontmann und Sänger er ist. Auf Solopfaden verdient er seine musikalischen Sporen ohne Schlagzeuger und Bassist, dafür mit umso inbrünstigerer Ein-Mann-Performance, die in ihrer Kompromisslosigkeit viele Fans an die Anfänge von Against Me! erinnert. Bewaffnet mit nichts als Stimmbändern und Gitarre, schreit, schmettert und protestiert er. Mit Texten, die immer ein bisschen mehr Hass als Liebe behandeln und von der Leere hinter den Versprechungen der Konsumgesellschaft erzählen. Ein Lehrstück für alle, die Akustikgitarren immer noch mit unverbindlicher Lagerfeuerromantik gleichsetzen. kms