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Kurzkritik: Valery Gergiev in der Luxemburger Philharmonie

Kurzkritik: Valery Gergiev in der Luxemburger Philharmonie

Statt Mystik Dramatik: Mit dem Chor und dem Orchester des St. Petersburger Mariinsky Theaters, dessen Direktor er ist, war Valery Gergiev Gast in der Luxemburger Philharmonie.

Hauptprogrammpunkt war die Aufführung des dritten Aufzuges von Richard Wagners letzter Oper "Parsifal". Geschmeidig dirigierte Gergiev vor 1000 Zuhörern das hervorragende Orchester, dessen Streicherklang auch beim feinsten Geigenton noch griffig blieb. Gergievs Parsifal hatte nichts von heiliger Einfalt. Der russische Stardirigent ließ trotz feinsinniger Ausdeutung immer wieder die musikalischen Muskeln spielen. Wobei die Orchester-Power gelegentlich auf Kosten der Solisten ging. Herrliche Klangflächen schuf der Chor. Herausragend: Yuri Vorobiev als Gurnemanz mit seinem ausdrucksstarken, elastischen Bass. Einen kraftvollen König Amfortas sang Alexei Markov. Serguei Semishkurs Tenor gab einem Parsifal eine Klangestalt zwischen metallischer Härte und slawischer Gefühlstiefe. Mit einem verspätet eingetroffenen und sichtlich ermüdeten Dirigenten hatte der Abend zunächst mit Verdi etwas belanglos angefangen. Eva-Maria Reuther