Kurzkritik

Manchmal stimmt einfach das Timing nicht. Zum Beispiel am Mittwochabend.

Da sah sich der Fan gepflegter Rockmusik genötigt, zwischen dem Konzert der US-Kultband "Eels" im Grand Théâtre Luxemburg und dem Fußballspiel Deutschland-Brasilien zu wählen. Singer-Songwriter Mark Oliver Everett und seiner Band gelingen gleich zwei Kunststücke: Erstens ist der Saal mit 900 Plätzen restlos ausverkauft. Zweitens vermittelt Everett den Fußballfreunden im Publikum das tröstliche Gefühl, zwar einen historischen Kick verpasst, dafür aber ein herausragendes Konzert erlebt zu haben. In dunkle Anzüge gewandet, als wär\'s die Combo von Götz Alsmann, tritt das Quintett auf - um mit so schrägen Besetzungen wie Kontrabass, Trompete, Pedal Steel Guitar und Xylophon die ebenso einfachen wie genialen Songs von Everett zu Gehör zu bringen. Raffiniert arrangierte Preziosen, die skurrile Storys erzählen. In Melancholie getränkte Erkenntnisse. Zwischendurch ein paar knappe, selbstironisch ins Mikrofon genuschelte Kommentare. Everett, das musikalische Chamäleon, trägt nach der Rock-phase der letzten Tour wieder düsterere Farben. Keine Show, sparsames Licht, Fokus auf einen einsamen Mann am Klavier und seine vier Begleiter. Kein Zufall, dass Tom Waits die Band empfiehlt. Kein Zufall, dass viele Franzosen das Grand Théâtre füllen, denn "Eels" steht auch dem Chanson nicht fern. Die Titel sind meist eher kurz, aber immerhin lang genug, dass die deutsche Nationalmannschaft während des letzten regulären Songs vier Tore schießt. Epochal. Wie die Band. Dieter Lintz