Kurzkritik

Massive Attack in der Abtei Neumünster

Luxemburg. Schneller, lauter, fitter, höher, weiter. Wer da hinterherröchelt wie ein alter asthmatischer Hund, hat zwar längst verloren - aber zumindest in der Theorie sein junges Jahrtausend verstanden. Das ist natürlich kompletter Bullshit. Einem anderen Tempo zu folgen als dem eigenen, war noch nie eine gute Idee. Dazu muss man nicht auf ein Massive-Attack-Konzert gehen. Aber die Bristoler Band zeigt auch nach über 25 Jahren vor 2000 Zuschauern in der Abtei Neumünster, warum sie noch da ist, während ihr ursprüngliches Genre - Trip Hop - längst nur noch für Zitate aus dem Keller geholt wird. Ein Auftritt von Massive Attack wird keine Zeitreise in die 90er, kein klebriger Nostalgikerquatsch für die Heutehasser: Das ist Elektronik und Rockgitarre, ein rastlos wandernder Bass, dazu zwei Drummer, die dafür sorgen, dass sich "langsam" und "langweilig" nicht ansatzweise nahe kommen. Für die größten Momente braucht es markante Stimmen wie die von Martina Topley-Bird (sie singt unter anderem "Teardrop", den bekanntesten Song der Band), Horace Andy (seine Version von "Angel" gehört zu den Höhepunkten des 90-minütigen Konzerts) oder von Massive-Attack-Mastermind Robert Del Naja, bekannt als "3D". Und wer seine Hyperaktivität auch bei Ruhepuls-Tempo nicht zügeln will, kann all die Botschaften, Fragmente, Worthülsen mitlesen, die in Luxemburgisch, Französisch, Deutsch und Englisch über die LED-Wand schießen - da gibt es textliches Dauerfeuer von der politisch engagierten Band. Das gab es in ähnlicher Form schon beim Auftritt im Oktober 2009 in der Rockhal Esch zu sehen. Kurz darauf erschien damals das fünfte Album Heligoland, das weiterhin das aktuellste ist. Wann das sechste Album erscheint, ist noch offen. Material gebe es genug, kündigte Del Naja an. Auch Trip-Hop-Legende Tricky soll mitwirken. Andreas Feichtner Der Auftritt von Massive Attack war ein Teil der Omni-Festival-Serie. Weitere Konzerte im Rahmen des Omni-Festivals in der Abtei Neumünster: 7. Juli: Youssou N\'Dour, 11. Juli: Teresa Salgueiro, 13. Juli: Joss Stone, 17. Juli: Eugenio Bennato.