Längst keine Männersache mehr

Längst keine Männersache mehr

Bei seiner Gründung 1981 bestand der Polizeichor Trier selbstverständlich nur aus Männern, die im Dienst eher unmusikalischen Tätigkeiten nachgingen. Mittlerweile ist aus dem Männerchor ein gemischter Chor geworden. Und der ist auch außerhalb des Polizeipräsidiums durchaus gefragt.

Trier. Hinten rauscht vernehmlich die Lüftung, und die Kantineneinrichtung im Trierer Polizeipräsidium glänzt vor allem durch Zweckmäßigkeit.
Zu Probenbeginn ist beim Trie rer Polizeichor vor allem Improvisation angesagt. Tische werden verschoben, Stuhlreihen aufgestellt, und davor wird ein kleines E-Piano aufgebaut - Ersatz für den bei anderen Chören immer noch üblichen Flügel.
Ideal ist der Raum fürs Musizieren sicherlich nicht. Aber der Blick vom siebten Stock über die Stadt entschädigt einen, und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Sängerinnen und Sänger der Fensterfront den Rücken zukehren und von den Verlockungen verschont werden, die schöne Aussichten mit sich bringen.
Der Trierer Polizeichor hat in den vergleichsweise wenigen Jahren seines Bestehens schon einiges Auf und Ab erlebt - die Kurve der Mitgliederzahlen, die Geschäftsführer Helmut Rother präsentiert, ist dafür ein beredter Beleg.
Gegründet wurde er 1981 - damals keineswegs nur zur Verschönerung des Polizisten-Feierabends, sondern auch als Beitrag zur Imagepflege und zur Korrektur landläufiger Klischees. Polizisten sind eben nicht die harte Kerle der Kriminalfilme, sondern Menschen, die sich auch für Musik und Gesang begeistern können.
Als dieses Erfolgsrezept in die Jahre kam, und 2002 von den einst knapp 50 Sängern nur noch 14 übrig blieben, öffnete sich der Polizeichor den Frauen und allen anderen Berufsgruppen. Mittlerweile sind die meisten Mitglieder weiblich, und sechs der 24 Sängerinnen und Sänger sind noch im aktiven Polizeidienst. Und das Durchschnittsalter?
Das sei gesunken, sagt Helmut Rother beschwichtigend, allerdings auf 60 Jahre - der Senior ist 89 und singt zweiten (tiefen) Bass. Nachwuchs? Da suche man noch nach einem Konzept. In einigen Jahren wird das allerdings zur Existenzfrage.
Russin leitet das Ensemble


Vielleicht weiß dann Albina Bukovsky Rat. Die gebürtige Russin hat den Chor vor vier Jahren übernommen. Die gelernte Musikpädagogin arbeitet in den Proben streng und freundlich zugleich, feilt an Rhythmus, Intonation und Vokalfarbe, fordert ohne zu überfordern und erfreut sich im Chor allgemeiner Beliebtheit. "Eine sehr liebe Chorleiterin" sei sie, heißt es aus den Reihen der Sänger, "und auch kompetent".
Das Repertoire ist bunt gemischt - von einem Lied des russischen Klassikers und Mozart-Zeitgenossen Dimitri Bortniansky über den preußischen Choral "Ich bete an die Macht der Liebe" hin zu Abstechern aufs Gebiet von Pop und Folklore und am Ende zum euphorischen Schlager "Wochenend\' und Sonnenschein". Ein Programm, unkompliziert genug, um es mit dem Chor zu realisieren und ausreichend gehaltvoll, um klingenden Leerlauf zu vermeiden.
Selbstverständlich ist die Probenarbeit kein Selbstzweck. Gelegenheit zu Auftritten gibt es für den Polizeichor überraschend häufig. Altersheime, Volksfeste, Treffen der Polizeichöre, sogar die Bundesgartenschau stehen auf dem Veranstaltungskalender. Und wenn es bei der Polizei mal Gelegenheiten zum Feiern gibt wie Jubiläen oder runde Geburtstage, dann ist der Polizeichor selbstverständlich mit dabei. Mehr Informationen unter: www.polizeichor-trier.de

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