Landeskunde mit einem Märchenonkel

Landeskunde mit einem Märchenonkel

Eine große Reportage über den Don zu machen, dieser Traum hat Fritz Pleitgen seit seiner Zeit als Außenkorrespondent der ARD in den Siebzigern nicht mehr losgelassen. 2008 erschien dann sein Werk "Väterchen Don - Der Fluss der Kosaken", aus dem er nun beim Eifel-Literatur-Festival in Welschbillig vorgelesen hat.

Welschbillig. Samstagabend, strahlender Sonnenschein. Es ist Zeit für das Finale der Champions League, Zeit, den Grill anzuschmeißen.

Doch rund 300 literaturbegeisterte Menschen sitzen in der Welschbilliger Kulturscheune und warten gespannt auf Fritz Pleitgen, den ehemaligen WDR-Intendanten und Korrespondenten der ARD. Er soll ihnen von Russland erzählen, vom Don und von den stolzen Kosaken.

Wenige Minuten vor seiner Lesung sitzt Pleitgen mit einem abgegriffenen Exemplar seiner Reisereportage "Väterchen Don - Der Fluss der Kosaken" in der Gemeindebücherei. Als Josef Zierden, Leiter des Eifel-Literatur-Festivals, ihm stolz erklärt, wie viele Menschen gekommen sind, macht der Vorsitzende der Geschäftsführung der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 große Augen und sagt: "Eigentlich wollte ich mit meiner Frau wetten, dass ich heute Abend mit Ihnen, Herr Zierden, zu zweit hier sitze."

Diese Anekdote erzählt er auch gleich den Zuhörern in der Kulturscheune. Auch, dass er von Welschbillig noch nie etwas gehört habe. Mit einem schmeichelnden Angebot macht er vom Podium aus seine Wissenslücke wieder gut: "Sie bieten für mich ein prachtvolles Bild. Dass Sie Kultur so sehr mögen, gefällt mir. Ziehen Sie doch zu uns ins Ruhrgebiet. Sie wären eine große Bereicherung für uns."

Doch dann geht es endlich ins kalte Russland. Kein leichtes Unterfangen, bei sommerlichen Temperaturen vom Schneeschleier und minus 15 Grad Celsius zu berichten. Doch Pleitgen gelingt es, mit seiner angenehmen Erzählstimme die Menschen in Welschbillig mitzunehmen auf seine Reise ins "wilde Niemandsland" am Don, dem russischen Strom.

Pleitgen spricht über das gute Verhältnis der Russen zu den Deutschen, berichtet von Alkoholismus und der rückwärtsgewandten orthodoxen Kirche, die immer mehr an Einfluss gewinne, und das alles in seinem typisch sonoren Plauderton. Landeskunde mit einem Märchenonkel.

Auszüge aus seinem Buch, andere Zitate und Reisetipps



Zwischen Auszügen aus seinem eigenen Buch und prägnanten Zitaten großer russischer Schriftsteller wirft der 72-Jährige immer wieder ganz praktische Reisetipps in den Raum, wie etwa die Tagestour nach Jasnaja poljana zum Anwesen von Lew Tolstoi, der, so Pleitgen, ein "echter Hallodri" gewesen sei.

Fritz Pleitgen erzählt gut, und Fritz Pleitgen erzählt gerne. So gerne, dass Josef Zierden gegen Ende der Lesung einen besorgten Blick auf seine Armbanduhr wirft. "Das kenne ich sonst nur von meiner Frau." Zum Schluss noch eine Fragerunde mit Josef Zierden. Ob er auch für die Zeit nach der Kulturhauptstadt einen Traum habe, will Zierden wissen. "Ich würde sehr gerne die Beringstraße erkunden, so wie es ihr Namensgeber Vitus Bering vor einigen Hundert Jahren getan hat", sagt Pleitgen, "aber das muss ich zuerst noch mit meiner Frau besprechen."

Nächste Gäste des Eifel-Literatur-Festivals sind Elke Heidenreich und Bernd Schroeder am Freitag, 28. Mai, 20 Uhr, in der Gerolsteiner Stadthalle Rondell. Diese Veranstaltung ist leider bereits ausverkauft. Am Dienstag, 1. Juni, 20 Uhr, liest Jacques Berndorf in der Aula des St. Michael-Gymnasiums in Monschau aus seinem Eifelkrimi "Die Nürburg-Papiere". Karten für diese Lesung gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich. Weitere Informationen im Internet unter www.eifel-literatur-festival.de und unter www.volksfreund.de/extra