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Landeskunstausstellung FLUX4ART in der Casa Tony M. in Wittlich

Ausstellung : Gegenwartskunst im barocken Ambiente

Ein Teil der Landeskunstausstellung FLUX4ART ist in der Casa Tony M. in Wittlich zu sehen.

Das Entree ist gelungen. Gleich  im Innenhof  verweist Andreas Hamachers anmutige Schleife aus Corten Stahl mit  beschwingter Geste auf den Geist  des Ortes. Die Casa Tony M. ist schließlich Teil des stattlichen Barockbaus der Alten Thurn und Taxi `schen  Posthalterei am Markt in Wittlich. Derzeit ist in der Casa die rheinland-pfälzische Landeskunstausstellung FLUX4ART 2020/21 zu Gast. Träger ist, finanziell gefördert vom Land, der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Rheinland-Pfalz (BBK). 

Bevor man  in die Ausstellung gelangt, sind, wie weiland  im Märchen, noch etliche Hindernisse zu überwinden. Nach der Registrierung mit Ausweisnummer in der Tourist Information gegenüber und nach Aushändigung eines elektronischen Schlüssels ist die vielteilige Schließanlage zu bewältigen, die auch den Zugang zum Aufzug regelt. Hat man das geschafft, kann  man sich der aktuellen Sonderausstellung auf zwei Etagen widmen. (Der guten Ordnung halber: Beim Verlassen ist wieder überall abzuschließen.)

Doch zur Ausstellung: Seit ihrem Probelauf 2018 ersetzt FLUX4ART sozusagen die frühere rheinland-pfälzische Kunstmesse. Die auf drei Standorte verteilte Schau wurde in ihrer zweiten Auflage außer in Wittlich, in der Sayner Hütte in Bendorf und im Forum Alte Post in Pirmasens ausgerichtet. Das Konzept eines Dialogs zwischen kulturellem Erbe und zeitgenössischem Kunstschaffen, wie es sich längst auch in anderen Kunstrichtungen bewährt hat, fördert gleichermaßen Kunst wie Kulturtourismus. Wie die  Präsentation sind auch die rund 60  teilnehmenden  Künstler disloziert. In Wittlich werden 23 Positionen gezeigt.

Eine gelungene Inszenierung aus zeitgenössischen Bildsprachen und historischem Ambiente, die gekonnt auf die schönen alten Räume eingeht, stellt sich Besuchern in der Casa Tony M. dar. Weniger glück­lich gestaltet sich die Situation für die Arbeiten in den engen Gängen davor. Neben Malerei, Zeichnung, Fotografie und  Video sind Bildhaue­rei, Objektkunst und Installationen zu sehen. Etablierte Positionen wie Fides Becker, deren hochpoetische „Spiegel“ Gemälde mit Marie Gouils „Kleid“ eine wunderbare Rauminzenierung ergeben, treffen sich mit jungen Künstler-Kollegen und Kolleginnen, wie der in Mainz  arbeitendem Yeonho Jangs.

Eine ausgesprochen feinsinnige Innenschau  legt die 1985 geborene Koreanerin  mit ihrem Video vor. Zu den interessanten jungen Gegenwartskünstlern gehört auch der 1982 geborene Konzeptkünstler Adam Cmiel. Klassisch, fein und mit vielfältigem Innenleben präsentieren sich die leider ungünstig gehängten Collagen von Rainer Storck. Der klassischen Moderne verpflichtet bleibt auch Rosa M. Hessling. Die eindrücklichste Arbeit zeigt Gertrud Riethmüller mit ihrer Klanginstallation „Flechtwerk 2“. Die Installation aus Sound, Lautsprechern  und  Kabeln ist eine schlüssige lautmalerische, durchaus gesellschaftskritische Erzählung vom Leben und Arbeiten der Klöpplerinnen. In ihr verdichten sich Inhalt, Form und  Klangereignis zum poetischen Klanggeflecht.

Etablierte Positionen kommen auch aus Trier mit der Holzbildhauerin Britta Deutsch, dem Stahlbildhauer Andreas Hamacher, der Malerin Katharina Worring sowie Werner Müller aus Zerf nahe Trier, dessen vegetative Objekte Grenzgänge zwischen Bildhauerei und Malerei sind. Allesamt sind  die Arbeiten der vier Künstler in der Region bestens bekannt und mehrfach ausgestellt.

Man mag das beim BBK für einen Heimvorteil halten. Gewiss wäre aber Region und Künstlern mehr damit gedient, sie  anstelle eines Heimspiels überregional zu präsentieren (es sei denn man hält bei den Veranstaltern das kaum 40 Autobahnkilometer von Trier entfernte Wittlich für einen fernen Ort). Die Vielfalt der Gegenwartskunst rheinland-pfälzischer Kunstschaffender will die Ausstellung zeigen. Wobei sich die Zugehörigkeit zum Land bisweilen auf den Geburtsort beschränkt. So arbeiten etwa Fides in Berlin und Riethmüller im Saarland, Cmiel in Frankfurt.

Vielfältig sind die gezeigten gegenwartskünstlerischen Positionen und Arbeiten fraglos, sonderlich innovativ oder in irgendeiner Form erschütternd allerdings nicht. Jedwede Kartharsis, die Kunst auch befördern kann, entfällt. Manches Mal bleibt der Anspruch der Idee auffallend hinter ihrer ästhetischen Umsetzung zurück, so wie bei Daniela Polz, deren „Kreisen um das Rätsel der menschlichen Identität“ (so der ausliegende Info-Text) sich auf  unterschiedliche, als Wandobjekte arrangierte Haarteile beschränkt.

Das Projekt einer Landeskunstausstellung ist nach wie vor zu begrüßen. Schön wäre es, wenn im Sinne  der Gesamtschau die Ausstellungsteile im Land rotierten, und der Träger die Aufsicht so organisierte, dass der Zugang niederschwellig möglich ist (natürlich im Rahmen der Corona-Beschränkungen).  

Die Ausstellung ist bis zum 20. Juni zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, und samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 14 Uhr. Telefon  Kulturamt Wittlich: 06571/14660, kulturamt.wittlich.de