Landschaften: Ein spannendes Projekt im Rahmen des Mosel Musikfestival

INTERVIEW FRANZISKA HÖLSCHER : Was die Leidenschaft fürs Reisen bewirkt

Landschaften: Ein musikalisch-poetisches Projekt als Hommage an Roger Willemsen. Am 14. September in Trier.

(no) Franziska Hölscher gehört zu den vielseitigsten Musikerinnen der jungen Generation. Sie ist als Solistin, Kammermusikerin und Festivalleiterin unter anderem in der Berliner Philharmonie und dem Konzerthaus Berlin, im Festspielhaus Baden-Baden und im Concertgebouw Amsterdam aufgetreten. Ein besonderes Projekt stellt sie beim Mosel Musikfestival vor: „Landschaften“, ein sehr spezieller und individueller Reiseführer durch Europa, verknüpft Texte des Autors und Fernsehproduzenten  Roger Willemsem (1955 – 2016) mit Musik der Komponisten aus jenen Ländern. Ebenfalls an der Konzeption beteiligt war die Pianistin Marianna Shirinyan. Als Rezitatorinnen wechseln sich die Schauspielerinnen Maria Schrader und Katja Riemann ab, die beim Konzert in Trier dabei ist.

Frau Hölscher, wie haben Sie und Roger Willemsen einander kennengelernt?

Franziska Hölscher: Vor einigen Jahren, ich war damals noch als junge Studentin in Berlin eingeschrieben, erhielt ich die Anfrage einer Agentur, bei einer Benefizveranstaltung zugunsten des Afghanischen Frauenvereins in der Kölner Oper aufzutreten. Gastgeber und Moderator sei ein gewisser Roger Willemsen. Ich sagte gerne zu, mit dem Zusatz, dass mir der Name Roger Willemsen bislang kein Begriff sei – mein medienfreies Künstlerleben hatte mir diese wunderbare Persönlichkeit bislang vorenthalten. Offensichtlich stieß diese Vorgeschichte bei Roger Willemsen auf Interesse: der Anfang einer besonderen Begegnung und künstlerischen Freundschaft.

Wer hatte die Idee zu diesem Abend?

Hölscher: Wir beide hatten den Wunsch, gemeinsam auf der Bühne zu stehen und ein Programm zu entwickeln, bei dem Musik und Literatur einander korrespondierend ergänzen. Ausgangspunkt der Auswahl der Thematik war sicherlich auch unsere gemeinsame Leidenschaft für das Reisen.

Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie (beide) die Musik zu den Texten ausgewählt?

Hölscher: Die Auswahl der Musik war Ausgangspunkt der Konzeption des Abends. Meine Pianistin Marianna Shirinyan und ich wählten Musikstücke, die uns exemplarisch für Landschaften Europas und ihre Bewohner schienen. Roger Willemsen komponierte dann die entsprechenden Texte um die Musik herum.

Lassen sich Werke der „absoluten Musik“, wie Sie sie gewählt haben, ohne weiteres zu „Programmmusik“ umgestalten?

Hölscher: Sind die Übergänge zwischen „absoluter Musik“ und „Programmmusik“ nicht häufig fließend? In der Musik werden Landschaften oft programmatisch assoziiert – „Die Moldau“ von Smetana oder „Die Pastorale“ von Beethoven – oder sie werden durch ihr musikalisches Idiom einer Gegend zugeordnet. Viele Komponisten haben die Erschütterung in der Natur, die Begegnung mit den Alpen, dem Meer, dem Gewitter über den Bergen immer wieder als auslösende Erfahrung bezeichnet, auf der ihre Kompositionen fußten.

Betrachten wir beispielsweise die Sonate op. 100 von Brahms, die wir in unserem Programm spielen. Brahms komponierte seine „Thuner Sonate“ im Sommer 1886 am Thuner See: „Die Nachmittagssonne stand vor ihrem Untergange und strahlte golden über die Wasser und durch die geöffneten Fenster zu uns herein.“

Ist Ihr Projekt ausbaufähig in dem Sinne, dass Sie irgendwann einmal weitere Texte von Willemsens Reisebildern musikalisch unterfüttern und ggf. einen zweiten Teil präsentieren?

Hölscher: Wir planen zur Zeit einen weiteren Abend mit Texten von Roger Willemsen, ebenfalls mit Katja Riemann und Marianna Shirinyan, der jedoch thematisch in eine andere Richtung geht: Wir werden seine beliebte Version des „Karneval der Tiere“ mit weiteren Texten Willemsens und Musik von Saint-Saëns kombinieren.

Ein zweiter Teil des Landschaften-Programms ist derzeit nicht geplant. Das Programm ist von Roger Willemsen so genial und rund konzipiert, dass ich das Gefühl habe, am Schluss auch tatsächlich am Ende einer Reise angekommen zu sein.

Maria Schrader und Katja Riemann sind ja sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Wie wirkt sich ihre jeweilige Mitwirkung auf die Präsentation aus?

Hölscher: Beide dieser großartigen Schauspielerinnen sind in ihrer Darstellung des Abends einzigartig. Und mit Sicherheit in ihrer Interpretation sehr unterschiedlich. Die Texte sind jedoch so vielfältig und dabei so subtil, dass sie viele verschiedene Formen des Zugangs nicht nur zulassen, sondern geradezu herausfordern.

Die Fragen stellte Rainer Nolden

Das Konzert findet statt am Samstag, 14. September, 20 Uhr, im Tagungszentrum der IHK Trier, Herzogenbuscher Str. 12; Karten: 0651 / 97 90 777

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