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Lange Filme, kurze Nächte

Saarbrücken. Saarbrücken steht vom 16. bis 22. Januar ganz im Zeichen des Films. Im Rahmen des Nachwuchswettbewerbs konkurrieren rund 90 Streifen um mehr als ein Dutzend Preise. Der Ehrengast ist Ursula Werner ("Wolke 9"), zudem werden neben den Nachwuchsfilmern einige Stars anreisen. Tobias Kessler

Saarbrücken. Etwa 160 Lang-, Kurz- und mittellange Filme sind beim 33. Filmfestival Max Ophüls Preis von Dienstag an in Saarbrücken in vier Wettbewerben und Nebenreihen zu sehen. Eröffnet wird das Festival bereits am Montagabend mit "Die Summe meiner einzelnen Teile" (Regie: Hans Weingartner).
Die Festivalleiter Gabriella Bandel und Philipp Bräuer versprechen einen breiten Blick auf den Filmnachwuchs. Thematisch gebe es auch die bekannten Geschichten vom Erwachsenwerden und von der Suche nach dem Platz im Leben - aber eben nicht nur die. "Früher war in den Filmen die Familie die letzte Bastion, die feste Werte hatte", sagt Bräuer, "jetzt geht es oft um das Engagement des Einzelnen, weil die Gemeinschaft nicht mehr funktioniert."
Bei den zwölf Filmen im Dokumentar-Wettbewerb fänden sich einige ambitionierte Künstlerbiografien und generell starke Bilder, die auf die Kinoleinwand gehörten. Eine Nebenreihe wird sich dem Thema Protest widmen, zudem ist der erste 3D-Film bei Ophüls zu sehen: "One way trip", laut Bandel ein Horrorfilm der härteren Gangart.
An bekannten Künstlern angekündigt haben sich unter anderem Christoph Maria Herbst, Corinna Harfouch, Hannah Herzsprung, Charly Hübner (Ermittler in "Polizeiruf 110") und Veteran Arthur Brauss, außerdem Ulrich Noethen, Ulrike Folkerts, Anna Maria Mühe, Alexander Fehling ("Goethe!") und einige Ophüls-Darstellerpreisgewinner: Burat Yigit (2011), Alice Dwyer (2008), Stipe Erceg (2004) und Simon Schwarz (1998). Ob Klaus Maria Brandauer und Peter Lohmeyer auch zum Festival kommen, steht noch nicht fest.
Ehrengast Ursula Werner


Anna Thalbach gehört in diesem Jahr der Jury des Spielfilmwettbewerbs an, neben Johannes Naber, der 2011 mit "Der Albaner" den Ophüls-Preis gewann, dem Schauspieler und "Tatort"-Ermittler Dominic Raacke, und den Regisseuren Franz Nowottny und Hans W. Geißendörfer. Der brachte den "Zauberberg" ins Kino und die "Lindenstraße" ins Fernsehen.
Den Festival-Ehrengast Ursula Werner wird nicht jeder kennen. Aber die Gewinnerin des Deutschen Filmpreises (mit Andreas Dresens "Wolke 9") ist renommiert und passt für die Ophüls-Macher besonders gut zum Festival, weil die 68-Jährige immer wieder mit dem Nachwuchs arbeitet. Vier Kurzfilme mit ihr aus den vergangenen zwei Jahren werden zu sehen sein.
Neu ist diesmal, dass die Werke des Kurzfilmwettbewerbs nicht mehr einzeln vor den Langfilmen laufen, sondern zu mehreren Programmen à 90 Minuten zusammengefasst sind. Bandel begründet das mit der wachsenden Länge. "Wir haben uns mit der Entscheidung schwergetan. Aber fünfminütige Kurzfilme gibt es kaum noch, umso mehr fast halbstündige - das ist im Programmablauf schwer zu koordinieren." Neu ist auch, dass die Kurzfilme nicht nur mit dem Jury-Preis, sondern mit einem neuen Publikumspreis (ebenfalls 5000 Euro) prämiert werden. Dass die Preiszahl des Festivals damit auf beachtliche 14 steigt , stört Bräuer nicht: "Die Preise sind auch ein Marketinginstrument für das Festival selbst, und jeder Preis hilft dem Nachwuchs."
Gleichzeitig öffnet in der Stadtgalerie die Ausstellung "Phoneography", in der 120 Fotos von 40 Filmschaffenden zu sehen sind (darunter Jan-Josef Liefers, Sebastian Koch und Robert Stadlober), alle mit Smartphone aufgenommen.Das komplette Programm
gibt es im Internet auf
www.max-ophuels-preis. de
Karten für einzelne Veranstaltungen und das komplette Festival gibt es ebenfalls dort und in Saarbrücken in der Stadtgalerie, im CineStar, im Filmhaus und in der camera zwo.
Extra

Das Filmfestival Max Ophüls Preis gilt als eines der wichtigsten Foren für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Der einwöchige Wettbewerb ist auch ein beliebter Branchentreff. Alle Langfilme, die 2010 in der Konkurrenz liefen, kamen laut Veranstalter ins Kino. Bereits in den vergangenen Jahren war das Festival für viele Filmemacher wie Wolfgang Becker und Doris Dörrie oder Schauspieler wie Til Schweiger und Maria Schrader Karriere-Sprungbrett. In diesem Jahr wird es zum 33. Mal ausgetragen. Die Stadt Saarbrücken hatte das Nachwuchsfilmfestival 1980 aus der Taufe gehoben und nach dem international bekannten Saarbrücker Regisseur Max Ophüls (Foto: dpa) benannt. Ophüls, der 1957 starb, gilt als einer der großen Regisseure des 20. Jahrhunderts und wurde etwa mit Filmen wie "Brief einer Unbekannten" nach Stefan Zweig international bekannt. dpa