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Lautstarker Optimismus

Lautstarker Optimismus

Mit Schumann und Mendelssohn, also einem komplett deutsch-romantischen Programm, startete das "Orchestre Philharmonique" in der Luxemburger Philharmonie in die neue Saison. Laut zwar, aber auch mit einem Anflug von Harmlosigkeit. Bis im zweiten Teil der Chor dazu kam.

Luxemburg. Dieser Chor! Schon der erste Einsatz vertreibt jede freundliche Beliebigkeit. Die hoch professionelle und glänzend einstudierte "EuropaChor-Akademie" strahlt in Mendelssohns Symphonie-Kantate "Lobgesang" eine Deutlichkeit und Präsenz aus und zog damit die Hörer-Aufmerksamkeit ganz auf sich. Mendelssohns Komposition, ursprünglich aufgeführt zum 400-Jahre-Jubiläum der Buchdruck-Erfindung, glänzte in einem religiös eingebundenen Fortschrittsoptimismus. Der mag manchen antiquiert vorkommen. Aber er entfaltet in dieser energischen Version unvermittelte Überzeugungskraft. Martina Rüpings Sopran gleicht seine verhaltene Strahlkraft mit exzellenter, bruchloser Linienführung aus und verbindet sich mit dem schlanken Mezzo von Bhawan Moennsad zum ausgeglichen-innigen Duett. Toby Spence verfügt zwar über tenoralen Glanz, muss die lyrischen Differenzierungen seiner Partie freilich noch entwickeln. Und dann immer wieder: drer Chor! Nicht immer verlief der erste Teil des Konzerts in der Luxemburger Philharmonie gleich überzeugend. Dirigent Emmanuel Krivine malt Schumanns "Rheinische" mit breitem Pinsel aus. Es fehlt nicht an lautstarkem Optimismus. Aber die Feinheiten der Partitur gehen unter, der diffizile Gleichklang zwischen Idyllik, zarten Anmutungen und volltönender Lyrik im allzu eilig musizierten dritten Satz missrät. Das Orchester beeindruckt mit homogenen Streichern, einer präsenten Hörnergruppe und kultivierten Posaunen, und die Holzbläser geben im "Lobgesang" den Streichern saubere, deutliche Farbnuancen mit. Trotzdem bleiben Forte-Passagen merkwürdig spannungs- und entwicklungsarm, und allzu häufig suchen Dirigent und Orchester ihr Heil im gesunden Mezzoforte, wo die Partitur echtes Piano oder Akzente vorsieht. Emmanuel Krivine ist ein Dirigent, der musiziert und musizieren lässt, ein Leiter, unter dem das Orchester ausspielen kann. Aber zu viele Details gehen dabei unter, und stellenweise hätte die eine oder andere Spezialprobe auch nicht geschadet. Vielleicht braucht das "Orchestre Philharmonique" - und das gerade auf dem Niveau, das es erreicht hat - nicht nur den großzügigen, musizierfreudigen Motivierer, sondern auch den unerbittlichen Proben-Arbeiter.