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Leben auf der Achterbahn

Leben auf der Achterbahn

TRIER. Größte Begeisterung weckte das Musical "Falco meets Amadeus" in der Trie-rer Arena bei Tausenden von Besuchern. Tosender Applaus galt einer Spitzenproduktion und ihrem Hauptdarsteller Axel Herrig, der als gebürtiger Trierer ein Heimspiel feierte.

Wer weiß, ob der österreichische Popstar Falco noch heute als "Zeitgeistikone der 80er-Jahre" oder als "Poptitan" präsent wäre, wenn nicht ein früher Unfalltod seinem exzentrischen Leben ein Ende gesetzt hätte. Eine Frage, die sich vielleicht auch Autor Burkhard Driest gestellt hat, als er seiner Musicalfigur Falco die Worte: "Muss ich denn sterben, um zu leben?" in den Mund gelegt hat. Passenderweise zum Auftakt einer schrill-düsteren, bizarren und schillernden Show, die musikalische Auferstehung, Hommage und Psychogramm zugleich ist. "Falco meets Amadeus" hält in halluzinatorischen Bildern aus Videoprojektionen, Lichteffekten, dynamischen und erotischen Tanzszenen die Faszination eines selbstzerstörerischen Achterbahnlebens, geprägt von Sucht nach Ruhm, Drogen und Frauen, aufrecht. Und es würdigt zwei musikalische Ausnahmeerscheinungen aus Österreich: Falco und Wolfgang Amadeus Mozart. Augenzwinkernd, denn Falcos Inspiration zu "Rock me Amadeus" entstammt einem kräftigen Wind aus dem Hinterteil Mozarts. Beginn einer Beziehung, in der die beiden Hauptdarsteller Axel Herrig (Falco) und Nikolaus Haug (Mozart) vor allem ihr komödiantisches Talent beweisen. In witzigen Dialogen streiten sie um ihre Größe, als Schmankerl zum Mozart-Gedenkjahr heißt es: "Das ist die schärfste Waffe gegen das Talent, ein solches Jahr hat noch kein Genie überlebt." Im Vordergrund steht die Musik, die Falco und Mozart im rauschenden Finale im Himmel vereint. Das Gerüst für die Handlung ist ein Feuerwerk aus Superhits: "Jeanny", "Der Kommissar", "Titanic", "Egoist", "Rock me Amadeus" werden von der Band um die (Film-)Musik-Profis Johnny Bertl und Manfred Schweng mitreißend rockig gespielt. Verblüffende Ähnlichkeit des Axel Herrig

Axel Herrig wirkt dabei mit seinem Gesang, seiner verblüffenden Ähnlichkeit und den perfekt einstudierten Gesten fast echter als das Original. Immer wieder tauchen Mozart-Arien auf, etwa "Küsse sind schön" (Don Giovanni). Zwischen der allmächtigen Mutter und der Kommissarin ist Falco hin- und hergerissen. Mit dieser glaubt er, den Traum von Liebe und einem bürgerlichen Leben verwirklichen zu können. Doch er scheitert. Damit platzt ein faustischer Pakt, den Falco mit der Kommissarin, dem Synonym für Todessehnsucht, geschlossen hat: Es ist ihm nicht gelungen, eine Minute im Gleichklang zu leben. Die Kommissarin wandelt sich zur Domina und wird Mittelpunkt eines infernalischen Tanzes von schwarz-lackledernen Gestalten. Dazu steigern sich wummernde Beats und peitschende Gitarrenklänge bis zum unausweichlichen Ende, dem Tod. Im himmlischen Finale, begleitet von Applaus, Gesang und Partylaune, wird Falcos Frage beantwortet: Ja, er musste sterben um weiterzuleben.