Leben, lieben und sterben in perfekter Interpretation

Leben, lieben und sterben in perfekter Interpretation

In Athen, Amsterdam und Zürich ist die Altistin Marion Eckstein ein gern gesehener Gast. Und auch in Wittlich fand der Liederabend mit der Monzeler Sängerin einen begeisterten Zuspruch.

"Nun hast du mir den ersten Schmerz getan" - wie eine Anklage deklamierte Eckstein diesen Text von Adelbert von Chamisso in der Vertonung von Robert Schumann in der Synagoge beim Wittlicher Musikkreis. Perfekt schlüpfte sie in die Rolle der Verlassenen, die ihren Geliebten hergeben muss, den der Tod ihr entrissen hat. Wut und Trauer standen im Raum, Verzweiflung und auch Trotz. Das Hadern mit dem Schicksal und die Erlösung durch den Rückzug ins eigene Ich - Eckstein durchlebte all diese Empfindungen in einer Art, die unter die Haut ging. Zusammen mit ihrem langjährigen musikalischen Partner, dem Pianisten Stefan Leihenseder und Sebastian Langner als Sprecher gewährte Eckstein ihrem Publikum in der voll besetzten Synagoge Einblicke in das Leben von Robert und Clara Schumann. Ohne Empathie kann man dem Schicksal dieser beiden Menschen, dieser vielleicht berühmtesten und gleichzeitig tragischsten Liebesgeschichte unter Musikern, nicht gerecht werden.

Trotz einiger akustischer Probleme gelang es Langner, das Publikum mit Erklärungen zur Biografie und mit Auszügen aus Briefen und Tagebüchern in die Welt des Musikerpaares zu versetzen. So war es ein leichtes, nachzuvollziehen, welche Gefühle sowohl Robert als auch Clara zu Liedern wie "Ich kann's nicht fassen, nicht glauben", "Du Ring an meinem Finger" oder auch "Liebst Du um Schönheit" bewogen haben. Von den Anfängen der Liebe, der Verwunderung über das Hereinbrechen der Gefühle, greifbar dargestellt in "Seit ich ihn gesehen", bis hin zum fast trostlosen "Ich stand in dunklen Träumen" ließen Eckstein und Leihenseder ihr Publikum alles miterleben, was die Schumanns durchleben mussten. Und auch die bis heute nicht wirklich aufgeklärte Rolle eines Johannes Brahms (war er mehr als nur ein Freund des Paares?) spielte mit vier Liedern aus dessen Feder eine Rolle.

Die aus Monzel (Verbandsgemeinde Wittlich-Land) stammende Altistin Eckstein konnte an diesem Abend glänzen und restlos überzeugen. Samtig weich und trotzdem kraftvoll war ihre Stimme in der Tiefe, glänzend, fast schon an einen Sopran erinnernd, in den Höhen. Das Kaleidoskop der Farben, die sie ihrer Stimme verleihen konnte, schien endlos zu sein. Getragen wurden ihre Interpretationen vom absolut souveränen und einfühlsamen Spiel ihres Begleiters, der ihrem Gesang gerade durch seine sensible Zurückhaltung den sicheren Boden gab.

Gern gesehener Gast auf den großen Bühnen



Mit diesem Abend präsentierte sich die Trägerin des Kulturförderpreises 2005 des Landkreises Bernkastel-Wittlich in ihrer Heimat zum wiederholten Mal als exzellente Musikerin. Die heute in Aachen lebende Sängerin ist in ganz Europa zu Hause und ein gern gesehener Gast bei Festspielen und auf großen Bühnen wie dem Wiener oder auch dem Berliner Konzerthaus. Dirigenten wie Ludger Rémy oder Thomas Hengelbrock besetzen mit der Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes immer wieder gerne ihre Solopartien. So wird die ehemalige Schülerin des Wittlicher Cusanus-Gymnasiums in diesem Jahr noch im Salzburger Mozarteum, im Concertgebouw in Amsterdam, der Tonhalle in Zürich und im Megaron in Athen zu hören sein. Trotzdem hat sie ihre Heimat nicht vergessen.