Lebenslust und politisches Engagement

Trier · Der Gastdirigent im 2. Trierer Sinfoniekonzert am Donnerstag, 23. Oktober, heißt Miguel Salmon Del Real. Er ist Mexikaner und hat die Musik seiner Heimat im Gepäck - Kompositionen von Silvestre Revueltas, Aldemaro Romero und Arturo Pantaleón-Mendoza.

Trier. Irgendein klassisch-romantisches Werk musste wohl dabei sein. Dvoráks populäre Sinfonie Nr. 8 fristet allerdings im lateinamerikanischen Programm des 2. Trierer Sinfoniekonzerts (23. Oktober) fast so etwas wie ein Mauerblümchen-Dasein. Der mexikanische Gastdirigent Miguel Salmon Del Real, Jahrgang 1978, hat die Musik seines Kontinents im Gepäck. In der verbinden sich lateinamerikanische Folklore mit europäischer Klassik, Tradition mit Avantgarde und politisches Engagement mit ungetrübter Lebenslust.
Die Tondichtung "Redes" von Silvestre Revueltas (1899-1940) schildert die Leiden der Fischer in einem mexikanischen Dorf und ist damit eine hochpolitische Sozialkritik im Mexiko der 1930er Jahre. Dagegen verbreitet die "Fuga von Pajarillo" von Aldemaro Romero (1928-2007) in ihrer rhythmischen Vitalität eine ganz unpolitische, überschäumende Energie. Pajarillo ist übrigens ein Tanz aus Venezuela, der normalerweise auf einem Cuatro gespielt wird, einer kleinen viersaitigen Gitarre.
Schließlich hat der in Berlin lebende Mexikaner Arturo Pantaleón-Mendoza, Jahrgang 1964, in seinem Bratschenkonzert die Musik seiner Heimat und Europas miteinander verbunden (siehe auch Drei Fragen an). Solist in Mendozas Bratschenkonzert ist Felix Schwartz, erster Solobratscher an der Staatskapelle Berlin. Er hat sich auch als Kammermusiker profiliert und ist unter anderem Professor an der Rostocker Musikhochschule und Mentor bei Daniel Barenboims "West-Eastern-Divan-Workshop for Orchestra and Chamber Music". mö
2. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 23. Oktober, 20 Uhr, im Theater Trier, mit Werken von Revueltas, Romero, Pantaleón-Mendoza und Dvorak. Mitwirkende: Felix Schwartz, Viola, Trierer Philharmoniker, Leitung: Miguel Salmon Del Real.
Extra

… Arturo Pantaleón-Mendoza (TV-Foto: Martin Möller). Ein Konzert für Bratsche und Orchester, komponiert im 21. Jahrhundert - was kommt da auf die Besucher des 2. Trierer Sinfoniekonzerts zu? Arturo Pantaleón-Mendoza: Das Konzert ist so, wie die Bratsche klingt. Die meisten Komponisten haben versucht, dem Instrument eine möglichst heitere Stimmung mitzugeben. Das habe ich nicht getan. Die Stärke der Bratsche liegt ganz woanders. Und das Schöne an meinem Konzert ist, dass man das Tiefgründige bei diesem Instrument wirklich spüren kann. Es liegt einfach sehr viel "Seele" darin. Sie sind von Hause aus Hornist. Warum dann ein Konzert für Bratsche? Pantaleón-Mendoza: Ich habe zwei Schwestern, die Bratschistinnen sind. Die haben mich immer gedrängt, ein Konzert für eine Bratsche zu schreiben, oder auch für zwei. Nun gut, ich hatte es versprochen, und da musste ich es so gut machen, wie ich konnte. Wenn ein Besucher Sie fragen würde, worauf er zu achten hat in diesem Werk, was würden Sie antworten? Pantaleón-Mendoza: Das Werk schlägt eine Brücke zwischen der modernen westlichen Welt und meinen indianischen Wurzeln. Verbindungen zwischen den Kulturen zu schaffen, ist für mich das Wichtigste. mö

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