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Konzert
Lehrstunde in Sachen Triospiel

In der Wittlicher Synagoge: Das Lux Klaviertrio, Jae Hyeong Lee, Violine, Eunyoo An, Klavier, und Hoon Sun Chae, Cello.
In der Wittlicher Synagoge: Das Lux Klaviertrio, Jae Hyeong Lee, Violine, Eunyoo An, Klavier, und Hoon Sun Chae, Cello. FOTO: TV / Martin Möller
Wittlich. Das koreanische Lux Klaviertrio mit Hadyn, Mozart und Schubert  in der Wittlicher Synagoge. Von Martin Möller

Manchmal haben Krankheitsfälle ihr Gutes und Wettbewerbs-Ergebnisse auch. Das Marvin-Klaviertrio musste seinen Konzertauftritt in der Wittlicher Synagoge krankheitsbedingt absagen, und der Musikkreis Wittlich, gemeinsam mit den Mozart-Wochen Eifel Konzertveranstalter, griff zum Nächstliegenden. Beim ARD-Wettbewerb September 2018 in München hatten sich Marvin-Trio und das koreanische Lux Klaviertrio den 3. Preis geteilt. Und wenn jetzt Jae Hyeong Lee, Violine, Hoon Sun Chae, Cello, und Eunyoo An, Klavier, mit verändertem Programm und neuer Startzeit (20 Uhr) auf dem Podium Platz nahmen, war jedenfalls gleiches Niveau zu erwarten.

Aber egal, wie das Konzert in der ursprünglichen Besetzung ausgefallen wäre – jetzt jedenfalls wurde es eine Lehrstunde in Sachen Triospiel. So deutlich hat selten ein Ensemble gezeigt, was es heißt, in München auf einem dritten Platz zu landen. Die drei Musiker verschmelzen zu einer Einheit, deren glühende Intensität den Zuhörer so rasch nicht wieder loslässt. Hadyns großes, spätes Es-Dur Klaviertrio (Nr. 45)  feilen sie aus bis ins Detail und lösen sich dabei nachdrücklich vom tradierten Haydn-Klischee. Nichts mehr in diesem Werk klingt harmlos, spielerisch, konventionell. Die Lux-Musiker geben dem Kammermusikwerk den großen Atem mit, der die zuvor geschriebenen Londoner Sinfonien durchzieht. Und in der es-Moll-Episode des Kopfsatzes waltet zudem eine verhaltene Tragik.

Klar, dass bei solch einem Ensemble auch Mozart nicht galant-verspielt ausfällt, sondern energisch, straff und doch sensibel. Trotz der auskomponierten Klavier-Dominanz behaupten sich die beiden Streicher im B-Dur-Trio KV 502 mit substanzreichem Ton. Die Klangmischungen im Mittelsatz entfalten einen ganz eigenen Reiz. Und im Finale mit seinen polyphonen Episoden brilliert das Ensemble – elegant und markant zugleich. Im zweiten Teil dann Schuberts B-Dur-Trio op. 99. Und auch bei diesem Werk, das so feinsinnig vermittelt zwischen Klassik und Romantik, findet das Lux Klaviertrio zu einer ausgewogenen, hoch differenzierten Interpretation. Das ist nicht nur der „erzählende“ Schubert mit seinen weit ausgreifenden Melodiebögen.

Das Lux Klaviertrio gibt dieser Musik auch entschiedene Dramatik mit und geht dabei wohl bewusst an die Grenzen konventioneller Klangkultur. Und immer wieder klingt mit, was an Schubert so beklemmend fasziniert – dieser Tonfall, in dem beschwingte Heiterkeit und verträumte Idyllik in Sehnsucht übergehen und sich schließlich in schmerzliche Seligkeit lösen. Tiefer Eindruck und große Begeisterung unter den 180 Besuchern in Wittlichs Synagoge.