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Leicht verpackter Glaubenskrieg

Leicht verpackter Glaubenskrieg

Mit einem ambitionierten Programm brachte das englische Vokalensemble "King's Singers" geistliche Musik der Renaissance im Rahmen des "Mosel-Musik-Festivals" in die Trierer Basilika.

Trier. (kbb) D ie friedlichen Klänge täuschen. Hier ein sanftes "Ave Maria", dort ein weiches "Credo", andernorts ein besinnliches "Gloria". Mit kaum fassbarer Leichtigkeit schaffen es die sechs britischen Sänger, die Klänge der geistlichen Motetten durch das Kirchenschiff der Basilika zu tragen. Kompositionen aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert sind es, die mit ihren mehrstimmigen Arrangements wie geschaffen zu sein scheinen für die nachhallende Akustik der großen Halle.

Und doch steckt hinter dieser vermeintlichen Besinnlichkeit der Gesänge eine dunkle Episode: "1605 - Treason and Dischord", heißt das Programm der "King's Singers", und "Verrat und Zwietracht" spielen darin eine zentrale Rolle: Als "Schießpulververschwörung" ging der 5. November 1605 in die Geschichte ein. Eine Handvoll britischer Katholiken um Guy Fawkes wollte die Unterdrückung ihrer Glaubensanhänger unter dem protestantischen König James I. nicht länger hinnehmen. Bei der Parlamentseröffnung sollten König und Abgeordnete einer gigantischen Explosion zum Opfer fallen - doch der Plan misslang, die Verschwörer wurden verhaftet und hingerichtet.

Vor diesem Hintergrund werden die Kompositionen von William Byrd (1543-1623), John Dowland (1563-1626) oder Peter Philips (1560-1628) verständlich: Sie alle waren katholisch, gehörten zur unterdrückten Minderheit und komponierten geistliche Gesänge für die wenigen Katholiken in England. Die "King's Singers", unterstützt vom englischen Gambenensemble "Concordia", haben ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt und ihr Publikum zweifellos gefordert. Und zwar so sehr, dass auch der englische Sprecher Bill Wallis - im Königreich bekannt als Schauspieler und Kabarettist - dem deutschen Publikum nur schwer alle historischen Rahmenbedingungen vermitteln konnte. Aus der Rolle des Renaissance-Komponisten William Byrd schilderte er in längeren Passagen zwar eindrucksvoll die Details des Religionsstreits und der Verschwörung - doch muss auch die beste Erklärung vor unüberbrückbaren Sprachbarrieren kapitulieren. Enttäuschung beim Publikum - rund 450 Zuhörer waren gekommen - bleibt dann kaum aus. Ambitioniert und durchdacht war das Programm allemal - der volle Genuss konnte sich aber nicht allen offenbaren.

Extra

Gegründet von sechs Studenten des King's College der englischen Universität in Cambridge, bestehen die "King's Singers" seit 1968. Wenngleich die Ur-Besetzung mittlerweile der zweiten und dritten Generation gewichen ist, bleibt das Konzept der Sänger konstant: Neben geistlichen Stücken steht die Verbindung von klassischer- und Unterhaltungsmusik im Vordergrund.