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Leichter Jazz-Pop vom Feinsten

Leichter Jazz-Pop vom Feinsten

,,Half A Minute", ,,Whose Side Are You On?" oder auch ,,Get Out Of Your Lazy Bed". Klingelt’s da bei den etwas älteren Hörern, oder schallt noch ein Saxofon durch den Gehörgang? Den jüngeren Musikfans sei gesagt: Die obigen Zeilen sind Titel von Hits der Band "Matt Bianco".

Mit leichtem, swingendem Jazz-Pop, unterstützt von Latin-Einflüssen, war die britische Formation seit den frühen Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts sehr erfolgreich.
Jetzt legt die Band unter Federführung des Sängers und wesentlichsten Songtexters Mark Reilly - nach dem Tode des Co-Leaders und Keyboarders Mark Fisher 2016 - das inzwischen fünfzehnte Matt-Bianco-Album vor. Es heißt "Gravity" und beinhaltet bei einer Gesamtlaufzeit von fast 49 Minuten insgesamt elf Titel.
Um es gleich vorweg zu sagen: Die CD gehört mit zum Besten, was ich dieses Jahr an Neuem gehört habe. Reilly - überragend seine "Dry-Martini-Stimme" - hat sich für diese Scheibe die interessantesten Musiker auf den Britischen Inseln und dem Kontinent zusammengesucht: Dazu gehört zunächst der bekannte schwedische Tenorsaxofonist, Flötist und Klarinettist Magnus Lindgren, der vor allem in der zweiten Hälfte des Albums mit seinem weichen Spiel auf den Blasinstrumenten wesentliche Akzente setzt. Ihm kommen Dave O'Higgins (Tenor- und Baritonsaxofon) und dessen Frau Judith am Tenorsaxophon in den ersten Stücken beinahe gleich. Martin Shaw brilliert an Trompete und Flügelhorn.
Diese Mitglieder von Matt Bianco spielen zumeist auch im Ensemble des bekannten britischen Jazzmusikers Jamie Cullum oder in der BBC Bigband. Elisabeth Troy bietet ungemein eingängige Gesangsduette mit Mark Reilly.
Anspieltipps: "Invisible" (2), "Heart In Chains" (4), "Solace" (5) oder "AM/PM" (8).
Jörg Lehn
Matt Bianco: Gravity, Matt Entertainment/Must Have/Membran, 234461, LC 29284, Hamburg 2017.