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"Leider nicht vorrätig"

"Leider nicht vorrätig"

TRIER/LUXEMBURG. Rewenig, Helmiger, Manderscheid - das sind nur einige geläufige Namen aus der Luxemburger Literaturszene. Doch obwohl zu Hause ziemlich berühmt, sucht man nur wenige Kilometer weiter meist vergeblich nach ihren Werken.

Liebhaber luxemburgischer Literatur haben es jenseits der "Ländchen"-Grenze nicht leicht, an ihre Lektüre zu kommen. Bei einem Rundgang durch Trierer Buchläden stößt der potenzielle Käufer denn auch stets auf bedauerndes, wenn auch freundliches Achselzucken: "Ich kann Ihnen jedes englische, amerikanische, französische, spanische Buch sofort besorgen - aber aus Luxemburg würde es etwas länger dauern", sagt etwa die hilfsbereite Verkäuferin der Thalia-Buchhandlung. Ähnliches erfährt der Kunde bei Stephanus. Vorrätig habe man keine Literatur vom Nachbarland, erklärt die junge Frau an der Kasse. Weil so selten danach gefragt werde, lohne sich die Bereithaltung einfach nicht. Eine Bestellung? Sie runzelt die Stirn. Nun, das sei sicherlich möglich. Man würde dann wohl beim Verlag direkt anfragen. Denn einen Grossisten, der luxemburger Bücher im Programm hat, gibt es in Deutschland nicht.Trotz kurzer Wege lange Wartezeiten

Es lohnt sich für die Literaturvermittler mangels Masse einfach nicht, diese Titel ins Programm zu nehmen, erläutert Burkhard Schild. Er ist bei der Akademischen Buchhandlung Interbook in Trier zuständig für das Geschäft mit den ausländischen Büchern. "Natürlich können wir jedes luxemburgische Buch beschaffen, wenn es lieferbar ist. Wir bestellen in der Regel direkt beim Verlag." Neuerscheinungen und die Werke bekannter Luxemburger seien in der Regel auch vorrätig. "Aber da hat ja auch jeder Leser andere Ansichten darüber, was gängig und welcher Autor bekannt ist", schränkt Schild ein. Doch während der Kunde ein englisches oder amerikanisches Buch oft am nächsten Tag schon abholen kann, muss man auf die Druckwerke von "nebenan" mitunter bis zu einer Woche warten. Und dann ist es sogar noch ein bisschen teurer als im büchermäßig ohnehin hochpreisigen Luxemburg (was wiederum an der relativ geringen Auflagenzahl liegt). "Um nicht auf den Versandkosten sitzen zu bleiben, müssen wir sie an die Kunden weitergeben", bedauert Schild. Wie oft passiert es denn, dass Literaturfreunde Bücher aus dem Nachbarland verlangen? Nun ja, das komme schon vor, entgegnet Schild diplomatisch. Aber das Interesse sei sicherlich geringer als beispielsweise an englischen oder französischen Büchern. Eine Steigerung der Luxemburger Literaturimporte verzeichnet Schild selbst dann nicht, wenn an der Trierer Uni Seminare zu Autoren des Nachbarlandes angeboten werden. "Die Studenten fahren rüber und versorgen sich an der Quelle", sagt Schild aus Erfahrung: Denn dass gleich mehrere Exemplare eines Titels bestellt werden - untrügliches Zeichen für ein universitäres Seminarangebot -, hat er bislang noch nicht erlebt. Vermutlich tut es ohnehin jeder Literaturinteressierte, der nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt wohnt, den Studenten nach. Und dann in Luxemburger Buchhandlungen die gleichen Annehmlichkeiten wie in hiesigen genießt: in aller Ruhe stöbern, blättern, schmökern.Bei zwei Internet-Anbietern wird man (etwas) fündig

Übrigens: Umgekehrt fließt der Strom deutscher Bücher durchaus reibunbgslos nach Luxemburg. Deutsche Grossisten, weiß Schild, pflegen regen Kontakt mit luxemburger Buchhandlungen. Auch das Internet, in hoffnungslosen Fällen gern angeklickt, ist in diesem Fall keine wirkliche Alternative. Von den vier auch außerhalb Luxemburgs populärsten Autoren Roger Manderscheid, Guy und Nico Helminger und Guy Rewenig beispielsweise wird beim größten Internet-Buchanbieter Amazon allein Manderscheid mit einem einzigen lieferbaren Titel genannt ("Der Papagei auf dem Kastanienbaum"). Die anderen Schriftsteller sind zwar mit einigen Auflistungen vertreten, aber die Bücher (selbst noch lieferbare) sind mit der Bemerkung "Führen wir nicht oder nicht mehr" versehen. Immerhin ein mehr als 20 Jahre altes Werk der Lyrikerin und Schriftstellerin Anise Koltz wird noch angeboten: die Gedichtsammlung "Sich der Stille hingeben" von 1983. Und dazu das Amazon-Versprechen: "Anbieter versendet in 1-2 Werktagen." Auch der Internet-Buchladen Libri hat ein Herz für Luxemburg: Hier gibt es Guy Helmingers Jugenddrama "Venezuela", immerhin, und Anise Koltz‘ Gedichtsammlung "Aux Banquets du Diable". Für Luxemburg-Anrainer lohnt sich die Bestellung dennoch nicht. Denn auf diese Bücher müssen sie bis zu zwei Wochen warten.