Leif ist live

Thomas Leif, 49, soll dem etwas fußlahmen Bereich Polit-Talk im dritten Programm des Südwestrundfunks zu mehr Schwung verhelfen. Der aus Daun stammende Journalist hängt die Messlatte für seine montägliche Runde "2+Leif" recht hoch.

Mainz. (DiL) 24 Jahre hat der SWR gebraucht, um dem Talent aus den eigenen Reihen einen Platz ganz vorn zu reservieren. Stück für Stück hat sich Thomas Leif mit Eifeler Hartnäckigkeit Profil erarbeitet, vor allem mit brisanten Reportagen über heikle Themen, vom Sex im Priesterseminar über das Berater-Unwesen bis zu den Tricks der Weinmacher.

Der ungewohnt persönliche, unverkennbar an angelsächsische Vorbilder angelehnte Stil seiner Filme brachte dem promovierten Politologen bisweilen den Ruf eines Selbstdarstellers ein. Aber es gab immer jede Menge Resonanz, Leif wirbelte Staub auf, blieb druckresistent und etablierte sich als eine Art journalistische Marke.

Als Gründer des "Netzwerk Recherche", einem Verbund investigativer Journalisten mit Aushängeschildern wie Hans Leyendecker und Christoph Maria Fröhder, wurde er auch auf der anderen Seite des Mikrofons zu einem gefragten Ansprechpartner, wenn es um Journalismus, Moral und Unabhängigkeit ging.

Doch ab Montag will er das Fragen wieder selbst übernehmen. Ein aktuelles Streit-Thema, zwei Gäste, 30 Minuten: Konzentriert soll es zugehen - und tunlichst konfrontativ. Als Reporter hatte Leif damit keine Probleme: Als bequem stuft ihn niemand ein, am wenigsten jene, von denen man annimmt, dass der einstige Juso ihnen politisch nahesteht.

Den Brotkorb hat er sich - oder man ihm - ganz schön hoch gehängt. "Er fragt, was sonst niemand fragt", tönt es in der Radio-Werbung. Konstruktiv, witzig, provokant, direkt, unterhaltsam, erhellend, mit Tiefgang, zugespitzt, zielsicher: So viele anspruchsvolle Attribute bringt der SWR in zehn Zeilen Pressemitteilung unter. "Ein neues Kapitel des politischen Gesprächs" soll es werden, mindestens. Wenn es mal nur kein Friedman für arme Öffentlich-Rechtliche wird.

Produziert, und das ist ein unbezahlbarer Vorteil, wird live in Berlin. Denn dann kriegt man auch fürs Dritte mal die Polit-Prominenz ins Haus. Zum Auftakt am Montag finden sich die abgezockten Profis Volker Kauder und Peter Struck ein, um über die "Hassliebe Große Koalition" zu plaudern. Mal sehen, ob es für die beiden Polit-Veteranen tatsächlich noch Fragen gibt, die bislang niemand gestellt hat.

"2+Leif" am Montag, 19. Januar, 22.30 Uhr, SWR-Fernsehen. Und künftig immer montags um die gleiche Zeit.