Leise, feine Töne

Es sind die feinen Zwischentöne, die die Werke von Judith Röder und Nicole Ahland auszeichnen. Die Künstlerinnen haben zu gleichen Teilen den Preis für Bildende Kunst der Stadt Trier, den Ramboux-Preis, erhalten. Das Stadtmuseum Simeonstift präsentiert ihre Arbeiten in einer Sonderausstellung bis 25. September.

Trier. "Atmosphärische Resonanzräume", so die Jury, sind das verbindende Element der Arbeiten von Nicole Ahland und Judith Röder, die beide mit dem Ramboux-Preis 2010 der Stadt Trier geehrt werden. Der Preis ist mit einem Ankauf in Höhe von 6000 Euro verbunden und nach dem Trierer Maler Johann Anton Ramboux (1790-1866) benannt.
Es sind keine plakativen und grellen Arbeiten, die ab Sonntag, 28. August, im Stadtmuseum zu sehen sind. Röder und Ahland setzen stattdessen auf zarte, zurückhaltende Strukturen, sind aber dennoch völlig unterschiedlich in ihrem Herangehen.
Die 1970 in Trier geborene und inzwischen in Wiesbaden lebende Nicole Ahland arbeitet mit analoger Fotografie. Sie setzt sich mit leeren Räumen auseinander. "Einmal habe ich mich in der Kölner Kirche St. Peter 24 Stunden lang aufgehalten und auch übernachtet, um den Raum auf mich wirken zu lassen", erzählt sie. Diese Eindrücke hat sie in der Serie "exspectare" umgesetzt. Die Bilder mit ihren starken Hell-Dunkel-Kontrasten und Unschärfen wirken abstrakt, lösen sich vom Objekt. Sie fordern den Betrachter heraus, das Bild länger anzuschauen, es auf sich wirken zu lassen.
Judith Röder, 1981 in Daun geboren, arbeitet vorwiegend mit Glas. Sie schafft Spannung zwischen der Stofflichkeit des Werkstoffs Glas und den Videofilmen, die sie darauf projiziert. Die Installation "Pli" zum Beispiel zeigt das Video eines Menschen, der sich unter einer Bettdecke räkelt. Diese Aufnahme projiziert sie auf verformtes Glas. "Mich interessiert der Werkstoff Glas sehr, man kann ihn mit hoher Temperatur verformen, zum Fließen bringen", sagt Röder. Eine weitere Arbeit besteht aus mehreren Glasscheiben, auf die sie das Video einer sich bewegenden Wasseroberfläche wirft. Zarte Farben schimmern auf den Scheiben, ziehen den Betrachter in ihren Bann, lassen die Zeit scheinbar still stehen.
Sowohl Ahlands als auch Röders Arbeiten fordern vom Betrachter Muße und Aufmerksamkeit ein. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.
Stadtmuseum Simeonstift, Simeonstraße 60, Trier, Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, Eröffnung: 28. August, 11.30 Uhr (bis 25. September), www.museum-trier.de