| 20:35 Uhr

Leise Lauten, gutes Omen

Seine Stimme wirkt wie Balsam für die Seele: Joel Frederiksen. TV-Foto: Cordula Fischer
Seine Stimme wirkt wie Balsam für die Seele: Joel Frederiksen. TV-Foto: Cordula Fischer
Trier. Es sind die Liebhaber leiser Töne, die sich "Nachts im Museum" blicken lassen. Etwa 130 Zuhörer begrüßt Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen zum gleichnamigen Konzert im Rheinischen Landesmuseum, wo Joel Frederiksen und das Ensemble Phoenix Munich mit leisen Lautentönen Lieder von Nick Drake und John Dowland interpretieren.

Trier. Spärliche Instrumentierung, leise Töne: Wer an Depressionen leidet, dem muss das Konzert im Landesmuseum Trier eine krisengeschüttelte schlaflose Nacht bereitet haben. Denn überschrieben mit "Requiem for a Pink Moon" - nach dem Titelsong "Pink Moon" des gleichnamigen und letzten Albums von Nick Drake (1948-1974) - lässt das Konzert von Joel Frederiksen und dem Ensemble Phoenix Munich schwere Kost erwarten. Zumal der rosa gefärbte Vollmond im Frühjahr, der "Pink Moon", als schlechtes Omen gilt.
Mitnichten folgt das von Joel Frederiksen arrangierte Programm defätistischen Unkenrufen: Wer sich aus dem Trubel der Stadt zwischen die antiken Ausstellungsstücke stiehlt, erfährt trotz Drakes manchmal düsterer, schwermütiger Texte ein Stück Entschleunigung und damit Balsam für die Seele. Auch wegen der wohltuend sanften Bassstimme Frederiksens, der sich auf der Laute selbst begleitet, und der Ruhe, mit der das Ensemble Phoenix Munich (Domen Marincic, Viola da Gamba, Axel Wolf, Laute, und Timothy Leigh Ecans, Tenor) seinen Part übernimmt. Dass sie einen besonderen Kunstgenuss bieten, muss Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen nicht extra erwähnen, zumal nicht nur die Musiker des Abends als Meister Alter Musik ihre Meriten verdient haben. Auch Drakes "Pink Moon"-Album, zweieinhalb Jahre vor seinem Tod veröffentlicht, ist hochgelobt und auf vielen Bestenlisten vertreten.
Brücke über vier Jahrhunderte


Neben den Drake-Songs interpretieren die vier Musiker auch Lieder von John Dowland (1553-1626) - "zwei musikalische Welten, die auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein können", heißt es dazu im Programmheft. Die wilden 1970er Jahre treffen auf die elisabethanische Ära. Trotzdem gelingt der Brückenschlag über vier Jahrhunderte. Auch Renaissance-Komponist Dowland verarbeitet Motive wie Schwermut und Sehnsucht, die Lieder sind getragen von intensiven Gefühlen. Nicht nur thematisch könnten die Stücke nicht besser aufeinander abgestimmt sein, sie bedingen sich sogar und werden miteinander verflochten.
Eine besonders persönliche Note gibt Frederiksen, der von 22 Stücken im Programm nur fünf nicht selbst arrangiert hat, dem Konzert, als das Quartett seine Eigenkomposition "Ocean" interpretiert und so einen stilistisch gelungenen Dreiklang und den Zeitsprung durch unterschiedliche Musikepochen besteht. Das Publikum ist ergriffen, fordert die Künstler mehrmals zurück auf die Bühne. Ein besseres Requiem (for a Pink Moon) hätte sich Nick Drake nicht wünschen können. cofi