Lesermeinung: Klaus Pander, Trier

Lesermeinung: Klaus Pander, Trier

Leserbeitrag: Allein aufgrund der in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen könnte - allen Widrigkeiten zum Trotz - der Schluss nahe liegen, dass Trier grundsätzlich doch in der Lage wäre, Festspiele - die so genannten "Antiken"- Festspiele - auszurichten, die weder eine Imitation anderer Festspiele darstellen, noch nachgeahmt werden könnten, weil die Trierer Antikenfestspiele - schon wegen der Einzigartigkeit der antiken Spielstätten - eben einmalig sind.Sollen aber diese Festspiele unter den nun einmal gegebenen und bekannten Randbedingungen auch eine Zukunft haben, muss man den Mut aufbringen, nicht nur etwas "Neues" zu wagen, sondern ebenfalls versuchen, die zweifelsohne auch in Trier vorhandenen Ressourcen verstärkt und besser einzusetzen.

Ansonsten wären wir gut beraten, die Antikenfestspiele auf sich beruhen zu lassen. Es gibt zweifelsohne hervorragende große, scheinbar "zeitlose" Opern, die für eine Freilichtaufführung besser geeignet wären, als ein nur auf nur wenige Solisten abgestimmtes, oft langatmiges Musikwerk, in dem Chöre keine oder eine nur untergeordnete Rolle spielen. Besondere Aufmerksamkeit jedoch sollte auch und gerade dem Inhalt und einer möglichen Interpretation der ausgewählten Oper gewidmet werden.

Das zweite, im Rahmen der Festspiele zur Aufführung kommende Bühnenwerk (bislang war es immer ein Schauspiel) müsste - gerade was den Inhalt und die agierenden Personen betrifft - mit der jeweiligen Oper in einer - wie auch immer gearteten - engen Beziehung stehen. Es wäre für alle Festspielbesucher ein besonderes Erlebnis zu hören und zu sehen, wie andere Komponisten und / oder Dichter das gleiche Thema wahrgenommen, "verarbeitet" und in Szene gesetzt haben, oder (eine ebenfalls mögliche Variante), wie das Ensemble eines anderen Theaters (warum nicht das einer Partnerstadt?) den gleichen "Stoff" aus seiner Sicht auf die Bühne bringt.

Neben den zwei großen Werken (Oper und Schauspiel), die während der wohl auf vierzehn Tage begrenzten Festspielzeit im Wechsel zur Aufführung kommen, könnte es doch auch noch andere Angebote - zum Beispiel ein Chorwerk in der Basilika oder im Dom - geben, die ebenfalls das gewählte Thema aufgreifen. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang auch eine Matinee oder eine Soiree, eine Lesung und / oder eine besondere Ausstellung (in einem der vier großen Museen der Stadt oder auch in der Stadtbibliothek). Wer nämlich ausschließlich wegen der Antikenfestspiele nach Trier reist, für den muss sich die (weite) Anfahrt in jedem Falle - auch bei Dauerregen - gelohnt haben.

Ein Verlegen der Veranstaltungen bei ungünstiger Witterung in die Arena sollte nicht nur als ein unvermeidbarer "Ersatz" angesehen werden, sondern vielmehr als eine willkommene Herausforderung an die Regie, zusätzlich neue Akzente zu setzen.
Das in Zusammenarbeit mit der Universität Trier angebotene Symposium müsste direkt in die Festspiele eingebunden werden und nicht im Vorfeld der Festspiele und auch nicht nur in der Universität stattfinden.

Und was spricht dagegen, dass die Antikenfestspiele - besser als bisher - fest in das Leben der Stadt eingebunden werden und mit einem großen Stadtfest ihren Abschluss finden?"

Klaus Pander
Trier