Lesermeinung: Klauspeter Bungert, Trier

Lesermeinung: Klauspeter Bungert, Trier

Leserbeitrag: Ich entnehme einigen Anzeichen, daß es die Antikenfestspiele in der gehabten Weise nicht mehr geben wird. Und wahrscheinlich ist das kein schwerer Verlust. Dennoch habe ich so eine Idee, wie es "Neue Trierer Festspiele", "Neue Antikenfestspiele" oder "Festspiele im Amphitheater" wieder geben könnte.Zunächst einmal muß von der Illusion Abstand genommen werden, es bedürfe nur der werbenden Begeisterung am Kopf, und man habe den Erfolg in der Tasche.Reellerweise muß man folgende Dinge fordern:- daß man sich nicht den Hintern durchsitzen muß auf Büßerkindersitzen, jederzeit der Wetterwillkür ausgesetzt;- daß eine erstklassige Beschallungsanlage unverzerrt überträgt, was von den Akteuren produziert wird, Überlistung der miserablen Akustik vor Ort einerseits, Schutz der Anwohner vor Belästigung andererseits, von denen man nicht erwarten sollte, daß sie das mögen, was aus dem Oval zu ihnen heraufschallt;- daß das Programm etwas mit dem Spielort oder der Zeit, in der er gebaut wurde, oder wenigstens den baulichen Besonderheiten des Spielorts zu tun hat;- daß ein ausreichendes Kontingent an Stoffen verfügbar ist, um so eine Veranstaltung über mehr als drei, vier Jahre sinnvoll zu unterhalten;- daß die angebotenen Stoffe gut gearbeitet sind und nicht im Schnellverfahren übers Knie gebrochen.Mein Vorschlag:- im ersten Jahr ein einziges Schauspiel, das unmittelbar einen Stoff der Zeit zwischen Kaiser Augustus und den Bränden Triers Anfang des 5. Jhs. zum Inhalt hat.

Ich habe soeben mit einem Theaterstück, auf das diese Voraussetzungen zutreffen, angefangen und hoffe, bis ca. Juni eine erste vorzeigbare Fassung fertig zu haben
- sollte es ein Erfolg werden / versprechen, weitere Menschen anzulocken, wird es im darauffolgenden Jahr oder je nach Turnus der neuen Festspiele zwei oder drei Jahre später wiederaufgelegt zusammen mit einem zweiten, ebenfalls die Epoche oder Züge der Epoche spiegelnden Theaterstück

Warum kein Musiktheater?
Die Opern, die heute noch "ziehen", gehören ganz der Sphäre des späten 18. bis späten 19. Jh. an, haben gar nichts mit dieser konkreten Antike zu tun, nämlich der römischen Spätantike. Stoffe aus der Zeit, großzügig gefaßt 200 v. bis 600 n.Chr. wurden mit geringen Ausnahmen lediglich in der Barockzeit oder erst wieder in der Moderne "unromantisiert" vertont. Heißt im Klartext: so, daß das Resultat noch weniger als Oper ohnehin schon akustisch im Amphitheater genügend dahermacht.

Für den - nicht einfach zu erwartenden - Fall, daß sich "Festspiele" unter der Voraussetzung eines neuen und reellen Bezugs zum genus loci durchsetzen, kann man in Erwägung ziehen, Doppelabende einzuführen, denn es gibt zweifellos auch umfangreichere dramatische Leistungen, die sich nicht sinnvoll auf 90, maximal 120 Minuten zurechtstutzen lassen, über die ein Freiluft(zwangs)aufenthalt netto nicht hinausgehen sollte.

Ich denke an das Doppeldrama KAISER UND GALILÄER über Julian Apostata, den Vorgänger der letzten kleinen Trierer Augustendynastie, ein großenteils hinreißendes Stück mit interessanten Charakteren und Konflikten (spannender als der Sophokles im vergangenen Jahr, den man zumindest durch die anrührende Antigone-Fassung Anouilhs hätte ersetzen sollen).

Natürlich denke ich auch an Stücke, die ich selber fertig vorliegen habe und die im Internet im Wortlaut abzurufen sind:
- ein amüsantes Jesus-Stück DER FALTER IM SPINNENNETZ (I: Himmel ca. 100 bzw. II: Fegfeuer / Erde ca. 90 Minuten);
- DIE STUNDE DES PILATUS (allerdings tw. skandalös, zumindest für das zu erwarten eher konservative Publikum; Teilung schwerer möglich; kommt aber auf die wenigen Leser bisher so spannend, auch witzig rüber, daß sie nicht merkten, daß an drei Stunden vorüber waren);
- DIE SCHMEISSFLIEGEN. EINE ANTIKE KOMÖDIE; ein zweistündiger Einakter, der auf eine an die Farcen der Griechen und Römer anklingende Weise heutige Kunsterscheinungen auf die Schippe nimmt - eine deftige jetztzeitliche Gesellschaftskritik, aber so, daß der Sokratesveräppler Aristophanes und der Zotenreißer Plautus im Hintergrund mitgrinsen. Auch würde bei diesem Stück die große Fläche des Ampfitheaterbodens besonders sinnfällig ausgefüllt, insofern als eine Vernissage den längsten Abschnitt bildet (oder eher eine schwarze Messe mit Anspielungen an eine Messiasfigur mit zwölf Hauptgefolgspersonen). Statisten in großer Anzahl unterstützen den kleinen Hauptdarstellerkern mit stummen Handlungen.

Voraussetzung, die zumindest meine genannten drei Projekte erfüllen: geringer bühnentechnischer Aufwand, man kommt mit wenig Kulissenbeiwerk aus. Auch in dem neu angegangenen Stück wird ,man außer ein bißchen Rampenaufbau, ein paar Sitzgelegenheiten und Insignien wenig brauchen."

Klauspeter Bungert
Gilbertstr. 28
54290 Trier

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